Unbeliebte Neulinge

Tierschützer sehen mit Sorge, dass sich Waschbär, Marderhund und Mink weiter ausbreiten

Berlin. Einst wurden Waschbär, Marderhund und Mink wegen ihrer Pelze nach Europa geholt. Nun breiten sie sich rasch aus. Das belegt unter anderem das vom Deutschen Jagdverband (DJV) betreute Wild-Monitoring. „Der Waschbär hat sein Verbreitungsgebiet deutschlandweit in sieben Jahren nahezu verdoppelt und kommt jetzt fast in jedem zweiten Jagdrevier vor“, sagt DJV-Sprecher Torsten Reinwald. Aufgenommen hat das Monitoring knapp 250.000 Reviere – das entspricht fast der Hälfte der land- und forstwirtschaftlichen Fläche in Deutschland.

„Bis zu einem Viertel aller potenziellen Uhu-Nistplätze in Thüringen ist bereits vom Waschbär besetzt“, sagt Martin Görner von der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen. „Auch in den Horsten von Greifvögeln und Störchen sichten wir immer wieder Waschbären. Das hindert die Vögel am Brüten – da muss etwas geschehen.“ Görner glaubt nicht an eine natürliche Lösung und fordert eine scharfe Bejagung. Zum Schutz der Wiesenvögel hat die Verwaltung des Biosphärenreservats Elbtalaue in Niedersachsen Lebendfallen für Waschbären gekauft und Revierinhabern ausgeliehen. Dort waren die Kletterkünstler sogar im Seeadlerhorst gesichtet worden.

Als Experte für Sumpfschildkröten des Landesamtes für Umwelt in Brandenburg sieht auch Norbert Schneeweiß eine erhebliche Bedrohung im Waschbär: „Er wird nicht nur in Brandenburg zur Gefahr für die ohnehin vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte und ihre letzten Vorkommen bei uns – wir finden immer wieder Opfer des Kleinbären“, berichtete der Zoologe. „Es gibt Bereiche, wo bis zu 50 Prozent der beobachteten Schildkröten schwer verletzt sind.“

Der Marderhund lebe in jedem dritten Revier, das seien zehn Prozentpunkte mehr als 2006, sagt Reinwald.

Der Mink kommt mittlerweile in neun Prozent der Reviere vor, in Sachsen-Anhalt in mehr als 25 Prozent. Der Mink sei der gefährlichste der drei Kleinräuber unter den Neozoen, sagt der Rostocker Zoologe Ragnar Kinzelbach. So nennen Biologen Tiere, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch den Menschen in eine Region gekommen sind. „Er frisst in den Uferzonen der Gewässer Eier und Jungvögel“, sagt Kinzelbach. „Der Bestand des Minks sollte reduziert werden – auch mit Fallen.“ Die Tiere hätten keine natürlichen Feinde.

„Auch Niedersachsen ist ein Einwanderungsland, wenn es um Waschbär, Marderhund und Mink geht“, sagt Florian Rölfing von der Landesjägerschaft Niedersachsen. So würden Waschbär und Marderhund mittlerweile in jedem sechsten Revier beobachtet.

Der DJV fordert eine intensivere Erforschung des Einflusses auf die heimische Artenvielfalt und eine intensivere Fallenjagd. Marderhunde und Waschbären seien nachtaktiv – eine Einschränkung der Jagd mit Fallen, wie in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen geplant, sei daher kontraproduktiv.