Pinguine haben einen schlechten Geschmack

Die Tiere in der Antarktis kennen nur sauer und salzig – die Kälte ist Schuld

Ann Arbor. Die einzigen beiden Geschmacksrichtungen, die ein Pinguin schmecken kann, sind wohl sauer und salzig. Die Wahrnehmung der drei anderen Geschmacksnoten – süß, bitter und umami – haben diese Vögel dagegen im Lauf der Evolution verloren, wie Forscher aus China und den USA berichten. Ursache ist vermutlich die kalte Umgebung der Antarktis, aus der die Vogelfamilie ursprünglich stammt.

Wirbeltiere – darunter auch der Mensch – kennen vermutlich bis zu fünf Geschmacksrichtungen: süß, sauer, bitter, salzig und umami – also herzhaft. Ursache sind Geschmacksknospen, die vor allem auf der Oberseite der Zunge liegen und bestimmte Rezeptoren tragen. So erkennt etwa der Mensch Saures mithilfe des Eiweißes PKD2L1. Der Geschmackssinn dient nicht nur dem Genuss, sondern bietet auch Überlebensvorteile: Damit können Menschen und Tiere etwa verdorbene Nahrung erkennen.

Die Forscher in Ann Arbor untersuchten die Genomsequenzen von fünf Pinguinarten auf jene Gene, die die Informationen für die jeweiligen Geschmacksrezeptoren tragen. Berücksichtigt wurden Adeliepinguin, Kaiserpinguin, Königspinguin, Felsenpinguin und Zügelpinguin. Das Resultat: Keine der Arten hatte funktionsfähige Gene für die Rezeptoren von süß, bitter und umami. Gerade der Umami-Verlust überrascht, ernähren sich die Tiere doch hauptsächlich von Fisch.

Zum Vergleich prüften die Wissenschaftler 14 andere Vogelarten wie Finken, Aras und Stockenten, darunter auch die eng mit Pinguinen verwandten Röhrennasen. Alle trugen Erbanlagen zum Erkennen bitteren und herzhaften Geschmacks. Gene für Süß-Rezeptoren fehlen dagegen bei allen bislang untersuchten Vögeln. Die Wissenschaftler folgern daraus, dass die Wahrnehmung von Süßem schon vor der Entstehung der Pinguine abhanden kam – also vor mehr als 60 Millionen Jahren. Die beiden anderen Geschmäcker entwickelten sich dagegen erst später, also bis spätestens vor etwa 23 Millionen Jahren.