Ahnen nutzten vor drei Millionen Jahren Werkzeuge

Leipzig. Die Vorfahren des Menschen nutzten möglicherweise viel früher Werkzeuge als bisher angenommen – und lange bevor sie solche Hilfsmittel gezielt herstellten. Der vor gut drei Millionen Jahren lebende Australopithecus africanus und einige andere Vormenschenarten konnten mit ihren Händen vermutlich bereits präzise greifen und waren dadurch zumindest theoretisch in der Lage, Steine als Werkzeuge zu benutzen. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Science“. Es hatte fossile Mittelhandknochen analysiert.

Die ältesten bekannten Steinwerkzeuge sind etwa 2,6 Millionen Jahre alt. Manche Experten gehen davon aus, dass Homo habilis (der geschickte Mensch) als erste Art Steinwerkzeuge herstellte. Wissenschaftler hatten fossile Überreste dieser Vormenschen zusammen mit Steinwerkzeugen gefunden sowie mit Tierknochen, die Schnittspuren aufwiesen und auf ein Alter von 2,4 Millionen Jahren datiert werden. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Menschen mit scharfkantigen Steinen Fleisch von den Knochen schabten. Allerdings haben Archäologen mittlerweile auch Schnittspuren an Knochen gefunden, die wohl um die 3,4 Millionen Jahre alt sind.

Wann Menschen begannen, ihre Hände für den Gebrauch von Werkzeugen einzusetzen, ist unklar. An der äußeren Form der Knochen sei dies schwer abzulesen, schreiben die Wissenschaftler um Matthew Skinner, der unter anderem am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig forscht.

Sie untersuchten die innere Struktur fossiler Mittelhandknochen. Demnach war A. africanus in der Lage, Daumen und Finger einander gegenüberzustellen. Er konnte mit der Hand kraftvoll Grob- wie Präzisionsgriffe ausführen, wie dies für den Gebrauch von Werkzeugen nötig ist. Werkzeuge seien damit schon mindestens 500.000 Jahre früher eingesetzt worden, als ihre Herstellung nachgewiesen ist, nehmen die Forscher an.