Hierarchie beeinflusst Bergsteiger

Eine klare Rangordnung führt besser auf den Gipfel, kostet unter Umständen aber auch mehr Leben

New York . Von Bergsteiger-Teams aus eher hierarchisch organisierten Gesellschaften erreichen mehr Teilnehmer den Gipfel als solche aus eher gleichberechtigten Gesellschaften. Allerdings sterben in diesen Teams auch mehr Bergsteiger während der Expedition, berichten Forscher nach der Auswertung von mehr als 5000 Himalaya-Besteigungen. Kulturelle Werte können die Leistung gleichzeitig verbessern und verschlechtern, schreiben sie im Fachjournal „PNAS“.

Hierarchie kann Gruppen helfen, Herausforderungen besser zu meistern, weil die Rollen einzelner Team-Mitglieder klar verteilt sind und Konflikte dadurch vermieden werden, schreiben die Forscher von der Columbia Business School in New York. Anderseits sei Hierarchie potenziell tödlich, denn eine strenge Rangordnung halte nachrangige Gruppenmitglieder unter Umständen davon ab, ihre Meinungen oder Sorgen offen zu äußern.

Um die Bedeutung von Hierarchien innerhalb von Gruppen weiter zu erforschen, hatten die Wissenschaftler im ersten Teil der Studie 146 erfahrene Bergsteiger aus 27 Ländern online befragt. Ein Großteil gab dabei an, dass sie die Koordination und Kommunikation innerhalb der Gruppe sowie das psychologische Gefühl von Sicherheit für entscheidend halten. Die Leistung der Gruppe stuften sie als wichtiger ein als die Charakteristika einzelner Bergsteiger im Team. Die Befragung zeigte weiter, dass die Bergsteiger selbst glaubten, dass hierarchische Strukturen zu einer besseren Koordination innerhalb des Teams führten, aber das Sicherheitsgefühl und den Informationsaustausch im Vergleich zu gleichberechtigten Teams beeinträchtigten.

Im zweiten Teil der Studie werteten die Forscher Archiv-Daten zu insgesamt 5104 Himalaja-Expeditionen zwischen 1905 und 2012 aus. Beteiligt waren 30.625 Bergsteiger aus 56 Ländern. 549 davon kamen bei den Expeditionen ums Leben. In hierarchisch geprägten Gruppen erreichten mehr Bergsteiger den Gipfel, aber es starben auch mehr von ihnen auf dem Weg dahin. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn die Forscher andere mögliche Einflussfaktoren berücksichtigen, etwa Umweltbedingungen oder die Risiko-Bereitschaft des Teams.