Ein Hut, der den Weg nach Hause weist

Berlin. Navigierende Hüte, gestrickte Kopfhörer und ein Handschuh, der Taubblinden helfen soll: In den futuristischen Bastelräumen des „Design Research Lab“ der Universität der Künste Berlin wird an der Kleidung der Zukunft gewerkelt und geforscht. Was bisher noch im Verborgenen existiert, soll bei der Berliner Fashion Week diese Woche einem breiten Publikum vorgestellt werden.

Leiterin Gesche Joost, die auch Netzexpertin der Bundesregierung ist, und ihr 20 Mitarbeiter starkes Team machen sich auf einem wachsenden Markt verdient: Laut der Senatsverwaltung für Wirtschaft lag der Umsatz der Branche „Wearable IT/Fashion Tech“ (intelligente Kleidung und Zubehör) vergangenes Jahr in Deutschland bei rund 470 Millionen Euro.

Die Erfindungen der kreativen Köpfe richten sich dabei an alle: Medizinische Hilfen sind unter den Ideen genauso wie Alltagsgegenstände.

Auch Menschen mit Behinderungen haben die Berliner im Blick. So könnte ein Handschuh mit Sensoren Taubblinden bei der Kommunikation mit ihrer Umwelt helfen. „Für Taubblinde öffnet sich damit eine ganz neue Welt“, sagt Designforscherin Joost. Als der Prototyp, der Bewegungen der Finger in Töne verwandelt, erstmals funktionierte, habe eine betroffene Frau sogar weinen müssen.

Sie zeigt einen weiteren Handschuh mit schwarz-weißem Muster. Daran befestigt ist ein dünnes Lederband mit Metallchip und Lämpchen: ein Pulsmesser, erklärt die Professorin. „Der blinkt, wenn man das Handgelenk den ganzen Tag überlastet.“ Damit könne man zum Beispiel einer Sehnenscheidenentzündung entgegenwirken. Auch eine Weiterentwicklung für alle Arten von Gelenkerkrankungen sei möglich, sagt sie. Es sei nur eine von vielen Erfindungen der Einrichtung mit Potenzial im medizinischen Sektor.

Praktisch als Accessoire für Orientierungslose: ein Hut mit Navigationssystem. Für den muss man nur im Handy die Zieladresse eingeben, dann empfängt der Hut per Bluetooth alle nötigen Daten. Beim Laufen vibriert dann die Krempe, in deren Richtung man als Nächstes abbiegen muss. „Wie bei Harry Potter“, sagt die Professorin und lacht. Ein echter Zauberhut.