Umwelt

Grönländischer Eisschild schrumpft anders als angenommen

Ein internationales Forscherteam hat an fast 100.000 Punkten die Entwicklung der Gletscher dokumentiert. Eisschild verlor von 2003 bis 2009 pro Jahr im Mittel 243 Gigatonnen Masse.

Buffalo. Das Schmelzen des Grönland-Eises verläuft wesentlich komplexer als bisher bekannt. In bislang beispielloser Auflösung hat ein internationales Forscherteam an fast 100.000 Punkten die Entwicklung der Gletscher dokumentiert. Demnach verlor der Eisschild von 2003 bis 2009 pro Jahr im Mittel 243 Gigatonnen Masse. Das berichten die Wissenschaftler um Beata Csatho von der Universität Buffalo im Fachjournal „PNAS“.

Mit einer Ausdehnung von 1,8 Millionen Quadratkilometern ist der Grönländische Eisschild die weltweit zweitgrößte permanent vereiste Fläche – nach dem Antarktischen Eisschild. Würde das Grönland-Eis komplett schmelzen, könnte der Meeresspiegel um mehr als sechs Meter ansteigen.

Das Team um die Geophysikerin Csatho nutzte Satelliten- und Luftaufnahmen der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die im Rahmen der Missionen ICESat und IceBridge sowie kleinerer Projekte entstanden. ICESat ermittelte von 2003 bis 2010 unter anderem Eispanzerdicken und deren Veränderung an fast 100.000 Orten per Laser.

Insgesamt standen den Wissenschaftlern Daten von 1993 bis 2012 zur Verfügung, die sie mit einem neuen Computerprogramm auswerteten. Demnach verlieren Gletscher nicht unbedingt dann Masse, wenn die Temperatur steigt. Stattdessen ist die Reaktion wesentlich komplexer: Einige Gletscher wachsen sogar bei steigenden Temperaturen, während andere in beschleunigtem Tempo schrumpften. Manche wiederum wachsen und schrumpfen abwechselnd, mit abrupten Umschwüngen. Derzeitige Modelle sind demnach zu einfach, um den Wandel des Grönländischen Eisschildes vorherzusagen.

Simulationen nutzten zudem bislang als Grundlage die Daten von vier Gletschern: Jakobshavn, Helheim, Kangerlussuaq und Petermann. Die Studie deutet auch darauf hin, dass diese Gletscher nicht repräsentativ sind, schreiben die Wissenschaftler.