5. Weltklimareport

Appell an Merkel & Co: Temperaturanstieg jetzt bremsen!

Der Endbericht des Weltklimarats IPCC gibt der Welt noch zwei bis drei Jahrzehnte zum Umsteuern.

Kopenhagen. Der Weltklimarat (IPCC) hat mit der Zusammenfassung seiner drei jüngsten Reports zum schnellen Handeln im Kampf gegen den Klimawandel gemahnt. Zugleich machte er Mut, dass die Erderwärmung mit weiteren Anstrengungen noch auf ein erträgliches Maß zu begrenzen ist. „Wir wissen, dass wir die Emissionen drastisch reduzieren müssen“, sagte IPCC-Chef Rajendra Pachauri bei der Vorstellung des Reports am Sonntag in Kopenhagen. „Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat gesprochen, jetzt geben wir den Staffelstab an die politischen Entscheidungsträger weiter.“

„Wenn wir weitermachen wie bisher, werden uns die Möglichkeiten, den Temperaturanstieg zu begrenzen, in den nächsten Jahrzehnten entgleiten“, mahnte Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon. Es sei im Hinblick auf die drohenden Folgen ein unbelegter „Mythos“, dass der Kampf gegen den Klimawandel teuer sei. „Es gibt noch ein Zeitfenster von zwei bis drei Jahrzehnten, in dem der Klimawandel zu akzeptablen Kosten gebremst werden kann“, erläuterte der IPCC-Autor Prof. Ottmar Edenhofer. „Beginnt man erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, kann man nur noch wenig tun.“ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nannte den Report „alarmierend und ermutigend zugleich“.

Seit Herbst 2013 hatte das Gremium seinen 5. Weltklimareport in drei Teilen veröffentlicht. Demnach schreitet der Klimawandel mit Macht voran, und der Mensch hat einen gewaltigen Anteil daran. Die Forscher stellten aber auch klar, dass der Temperaturanstieg mit globalem Einsatz noch gebremst werden kann und ein rascher Wechsel auf alternative Energien vergleichsweise wenig kostet. „Wir kennen die Werkzeuge, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen“, teilte Ministerin Hendricks mit. „Die Staatengemeinschaft muss jetzt alles daransetzen, 2015 in Paris ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen zu verabschieden. Eine weitere Verzögerung wäre unverantwortlich.“

Mensch als dominierender Faktor

Nach dem Bericht sind sich die Forscher sehr sicher, dass der Mensch der dominierende Faktor für den Temperaturanstieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. Diese Erkenntnis in solcher Klarheit sei neu, sagte der stellvertretende IPCC-Chef Jean-Pascal van Ypersele. Seit 1950 erwärmen sich Atmosphäre und Ozeane kontinuierlich, während die polaren Eismassen und viele Gletscher zurückgingen. Der Zeitraum von 1983 bis 2012 war wahrscheinlich die wärmste 30-Jahres-Periode der vergangenen 1400 Jahre. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre ist beispiellos seit mindestens 800.000 Jahren.

Die Folgen des Klimawandels sind heute in allen Teilen der Welt schon spürbar. So begünstigt die Erderwärmung extreme Wetterlagen wie die lang anhaltende Dürre in Kalifornien. Doch eine Begrenzung des Temperaturanstiegs auf unter zwei Grad ist noch möglich, wenn wir schnell handeln.

Der Synthesis-Report selbst sei ein „relativ mageres Konstrukt“, sagte WWF-Klimaexperte Stephan Singer. Der komplette neue IPCC-Bericht habe aber klargestellt: „Die Klimaveränderung passiert schneller und drastischer als projiziert war – und die Natur ist weniger widerstandsfähig, als man gedacht hat.“ Neu am Report seien die Lösungen, die die Forscher aufgezeigt hätten, so Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser: „Die erneuerbaren Energien sind inzwischen technisch so ausgereift und wirtschaftlich so konkurrenzfähig, dass sie fossile Energien und Atomkraft bis zur Mitte des Jahrhunderts schrittweise ersetzen können.“

Die „starke Botschaft“ des Berichts sei: „Die Lösungen sind da, und sie sind nicht so teuer, wenn man international zusammenarbeitet“, sagte van Ypersele. Der Report gebe den Regierungen „eine Ausrede weniger, nicht mit mehr politischer Willenskraft zu handeln“, erklärte der Belgier. „Lassen Sie uns hoffen, dass das hilft.“