Der frühe Affe frisst die beste Frucht

Schimpansen planen ihre Frühstückszeit – und richten ihre Schlafnester danach aus

Leipzig. Wenn es ums Fressen geht, werden Schimpansen zu Frühaufstehern. Vorsorglich bauen sie zudem ihre Schlafnester direkt entlang der Strecke zum nächsten Frühstücksbaum. Das fand ein internationales Forscherteam um Karline Janmaat vom Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie heraus. Über ihre Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „PNAS“.

Im westafrikanischen Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste untersuchte Janmaat mit ihren Kollegen das Verhalten von fünf weiblichen Schimpansen. Stießen die Menschenaffen auf Bäume, die besonders kurzlebige und leckere Früchte trugen, die auch andere Tiere lieben, dann wollten sie unbedingt die Ersten beim Frühstück sein. Sie richteten danach nicht nur ihre Schlafnester ein, sondern standen auch früher auf als ihre Konkurrenten. „Dieses sind nicht etwa die anderen Schimpansen, sondern kleinere Affen oder Vögel“, sagte Janmaat.

„Es war aufregend, die Schimpansenmütter und ihre Kinder in der Morgendämmerung bei ihrem Gang durch den Wald zu beobachten, scheu und wachsam, auf dem Weg zu ihren Frühstücksfeigen. Fünf Tage in der Woche verließen sie ihre Nester vor Sonnenaufgang, während der Rest des Waldes noch schlief“, sagte Janmaat. Dabei stellte sich heraus, dass die engsten Verwandten des Menschen auch selektiv vorgehen. Sie wollen die Ersten sein, wenn die Feigen besonders lecker und knapp sind. Bei anderen Früchten ist das nicht der Fall. Das schlussfolgerten die Forscher, nachdem sie das Verhalten der Primaten dokumentiert und mit den Obstsorten und dem Standort der Bäume in Beziehung gesetzt hatten.

„Unsere Erkenntnis ist: Schimpansen leben nicht nur im Jetzt. Sie können ihre Handlungen vorausplanen“, sagte Karline Janmaat. Das bedeute auch, dass sie sich, um in knappen Zeiten ihre großen Gehirne ausreichend zu versorgen, den Erstzugriff auf energiereiche Nahrung sicherten.

„Wir können nur forschen, weil hier in diesem Wald noch eine Population der Schimpansen lebt“, betonte die Forscherin. Wie andere Arten auch seien Schimpansen bedroht, weil ihr Lebensraum in der freien Wildbahn immer mehr zerstört werde.