Vor 400 Millionen Jahren wurde der Sex erfunden

Adelaide. Die sexuelle Fortpflanzung gilt als eine der größten Errungenschaften der Evolution. Durch die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle kommt es zur Neukombination von Genen, so können sich Eigenschaften verändern und Arten über Generationen hinweg fortentwickeln. Nun haben australische Forscher herausgefunden, dass die Befruchtung im Mutterleib weit länger praktiziert wird als bisher angenommen. Strukturen von Fossilien einiger Panzerfische wiesen darauf hin, dass diese kopuliert haben, berichtet das Team der Flinders University in Adelaide im Fachjournal „Nature“. Panzerfische hätten damit vor etwa 400 Millionen Jahren den Sex erfunden.

Panzerfische sind eine ausgestorbene Gruppe fischähnlicher Wirbeltiere mit Kiefern. Sie lebten vor rund 420 bis 360 Millionen Jahren zunächst in Süßwasser, später auch im Meer. Kopf und Rumpf der Tiere waren mit Knochenplatten gepanzert. Die Forscher hatten Fossilien von „Antiarchi“ untersucht, einer Untergruppe der Panzerfische. Männchen hatten demnach spezielle penisartige Flossen für die Kopulation, Weibchen dazu passende lamellenartige Strukturen. Zuvor seien die Fortsätze der Männchen als Bauchflossen gedeutet worden.

Aus den Panzerfischen entstanden die Knorpel- und die Knochenfische sowie Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere. Die innere Befruchtung könnte entstanden sein, bevor die äußere Befruchtung von abgelegten Eiern durch Spermien entstand, schreiben die Forscher. Ein Evolutionsweg, der bisher als unplausibel gilt: Die effizienteren Lebendgeburten werden als fortschrittlichere Methode angesehen. Heute lebende Fische vermehren sich meist über äußere Befruchtung. Alle Landwirbeltiere, aber auch Haie und manche Insekten pflanzen sich über innere Befruchtung fort.