Als Krokodile in Deutschland jagten

Meeresschildkröten zählten vor 150 Millionen Jahren zur Beute der bis zu neun Meter langen Echsen

Edinburgh. Bis zu neun Meter lange Krokodile durchpflügten vor rund 150 Millionen Jahren ein Meer, das damals das heutige Europa bedeckte. Die bisher gefundenen Überreste wiesen auf vier verschiedene Machimosaurus-Arten im Oberen Jura hin, berichten Wissenschaftler im Fachjournal „Open Science“ der britischen Royal Society. Drei davon hätten in Europa, eine im Gebiet des heutigen Äthiopien gelebt.

Die Forscher um Mark Young von der University of Edinburgh hatten in europäischen Museen und Sammlungen aufbewahrte Machimosaurus-Funde analysiert. Vor allem waren dies Zähne und Kieferknochen. Die kleinste Art der Meereskrokodile wurde demnach etwa sechs Meter lang, die größte gut neun Meter – und damit länger als jede heute lebende Art. Die Giganten sollen sich unter anderem von Meeresschildkröten ernährt haben: Panzerfossilien zeigten Biss-Spuren der gewaltigen Machimosaurus-Zähne.

Im Oberen Jura lag der Meeresspiegel deutlich höher, Europa war ein von Inselgruppen durchzogenes flaches Meer. Auf dem heutigen Gebiet von Deutschland und Frankreich sowie eventuell auch von England und Polen sei die kleinste Art Machimosaurus buffetauti heimisch gewesen. Fossilien dieser Spezies wurden demnach unter anderem im baden-württembergischen Neuffen und im Steinbruch am Langenberg bei Oker in Niedersachsen gefunden. Die Meereskrokodile waren wahrscheinlich amphibische Jäger, die in flachen, küstennahen Regionen lebten. Typische Merkmale seien eine schmale, stark verlängerte Schnauze, ein flacher Kopf und deutlich kürzere Vorder- als Hinterbeine gewesen.