Gewalt ist bei Schimpansen normal

Forscher: Brutale Kämpfe sind Anpassungen an die Umwelt und nicht Folge menschlicher Einflüsse

Minneapolis. Schimpansen sind keine freundlichen Vegetarier. Gewalt gehört bei ihnen vielmehr zum natürlichen Verhalten. Für den Aufstieg in der Gruppe, besseres Futter oder ein Stück Land töten sie zuweilen sogar ihre Rivalen. Anders als von einigen Wissenschaftlern angenommen, hat der Mensch auf dieses gewalttätige Verhalten wohl nur wenig Einfluss. Das berichten US-Forscher um Michael Wilson von University of Minnesota im Fachjournal „Nature“. Aus ihrer Sicht ist die tödliche Gewalt zwischen Schimpansen ein normales, angenommenes Verhalten. Auf menschliche Einflüsse wie die Abholzung von Lebensraum oder künstliche Fütterung sei es nicht zurückzuführen, so die Autoren.

Für ihre Studie analysierten die Biologen verschiedene Untersuchungen über 18 Schimpansen- und fünf Bonobo-Gruppen aus den vergangenen 50 Jahren. In 15 der 18 untersuchten Schimpansen-Populationen kam es regelmäßig zu tödlicher Gewalt. Insgesamt wurden 152 Fälle dokumentiert. Meistens klassische Konflikte unter Rivalen. So waren in über 90 Prozent aller Fälle die Angreifer männlich, in 73 Prozent auch die Opfer. Außerdem stieg die Zahl der Tötungen mit der Größe der Population und der Anzahl an geschlechtsreifen Männchen. Häufig richtete sich die Gewalt auch gegen Rivalen aus Nachbargruppen. Regionale Unterschiede in der Gewaltbereitschaft der Primaten gab es keine. Bei Bonobos sind gewalttätige Revierkämpfe dagegen selten. In dem Untersuchungszeitraum gab es nur einen Mordverdacht.

Für Wilson und seine Kollegen sind ihre Beobachtungen ein klares Indiz dafür, dass tödliche Gewalt bei Schimpansen eine natürliche Anpassungsstrategie ohne Einfluss des Menschen ist.

Mit dem gewalttätigen Verhalten unserer nächsten Verwandten beschäftigen sich Forscher bereits seit vielen Jahren. Schon Anfang der 1970er-Jahre beschrieb die Primatenforscherin Jane Goodall brutale Machtkämpfe bei Schimpansen.

Eine verbreite Theorie sah bisher menschliche Einflüsse als einen wichtigen Grund für das Töten von Artgenossen. Durch eingeschleppte Krankheiten, Abholzung von Lebensraum oder die Fütterung sollte nach dieser Annahme die Aggressivität noch gesteigert werden.