Menschen drücken ihrer Umwelt einen bakteriellen Stempel auf

Chicago . Wenn Menschen umziehen, nehmen sie ihre Bakterien mit. Schon nach kurzer Zeit finden sich in der neuen Wohnung die gleichen Keime, die auch in der alten vorherrschten. Die mikrobiellen Bewohner unterschiedlicher Häuser unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander, berichten US-Forscher im Fachmagazin „Science“. Sie untersuchen die bakterielle Besiedlung von Häusern unter anderem deshalb, um mehr über deren Einfluss auf die menschliche Gesundheit herauszufinden.

Simon Lax von der University of Chicago und seine Mitarbeiter hatten insgesamt zehn Häuser, sieben Familien, drei Hunde und eine Katze in ihre Studie eingeschlossen. Über sechs Wochen nahmen sie regelmäßig Proben – von Türklinken oder Lichtschaltern, vom Küchenfußboden, von Händen, Füßen oder der Nase. Dann identifizierten sie die Gruppen von Bakterien anhand ihrer genetischen Signatur.

Die Analyse der Daten zeigte, dass der Mensch seiner Umwelt einen „bakteriellen Stempel“ aufdrückt – und nicht etwa umgekehrt. An Türklinken oder Lichtschaltern fanden sich die gleichen Bakterien wie an der Hand der Bewohner. Die Spuren verblassen in der Umgebung allerdings rasch: War ein Bewohner nur für wenige Tage abwesend, nahm die Menge „seiner“ mikrobiellen Begleiter rasch ab.

„Mit dieser Untersuchung wollen wir herausfinden, woher die Bakterien kommen, die unserer Leben beeinflussen“, erläutert Studienleiter Jack Gilbert von der University of Chicago. Es sei bekannt, dass einige Bakterien das Gewicht beeinflussen, andere die neurologische Entwicklung. Über die Charakterisierung der Bakterien könne man die dynamischen Interaktionen zwischen Menschen und ihrer Umgebung entschlüsseln.

Im Jahr 2012 hatten Forscher des Human Microbiome Project erste Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung der menschlichen Bakterienvielfalt vorgestellt. Demnach leben mehr als 10.000 verschiedene Bakterien im und am Menschen – weit mehr als zuvor vermutet. Art und Anzahl dieser Mitbewohner unterscheide sich sowohl von Mensch zu Mensch als auch von Körperregion zu Körperregion erheblich. Trotz der Unterschiede erfüllen die Mikroorganismen bei jedem Mensch dieselben Aufgaben.