Robben brachten die Tuberkulose nach Amerika

Tübingen. Tübinger Forscher sind dem Ursprung der Infektionskrankheit Tuberkulose auf die Spur gekommen. Anders als bislang vermutet sei der Krankheitserreger wohl nicht, wie bislang angenommen, von spanischen Eroberern verbreitet und in Amerika eingeschleppt worden, sondern von Seelöwen und anderen Robben. Darauf deute die Analyse von rund 1000 Jahre alten Skeletten hin, schrieben die Wissenschaftler um den Tübinger Evolutionsgenetiker Johannes Krause in der Fachzeitschrift „Nature“.

An Tuberkulose sterben jedes Jahr ein bis zwei Millionen Menschen weltweit. Die Infektion sei auch für die moderne Medizin schwer einzudämmen, sagte Krause. „Über den Ursprung der Krankheit wurde lange diskutiert. Wissenschaftler nahmen bisher an, dass sich die Tuberkulose parallel zur Evolution des Menschen in Afrika entwickelte und vor Zehntausenden von Jahren über dessen Hauptwanderrouten ausbreitete“, sagte der Experte.

Nun sei aber bei den 1000 Jahre alten Skeletten von Menschen aus Nord- und Südamerika DNA des Krankheitserregers gefunden worden – es gab ihn also schon mehrere Hundert Jahre vor der Eroberung durch die Europäer in Amerika. Die Forscher stellten fest, dass die engsten Verwandten dieser alten Erregerstämme heute bei Robben und Seelöwen vorkommen.

„Durch die Verbindung zu Robben und Seelöwen wird klar, wie an Säugetiere angepasste Krankheitserreger, die sich vor rund 6000 Jahren in Afrika entwickelten, 5000 Jahre später Peru erreichen konnten“, so Krause.

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