Afrikanischer Vogel spielt falsch, hilft anderen jedoch auch

Kapstadt. Afrikanische Trauerdrongos täuschen gezielt andere Vögel und sogar Erdmännchen, indem sie deren Warnrufe imitieren und dann das zurückgelassene Futter der geflohenen Tiere stibitzen. Anschließend geben die Räuber Entwarnungsrufe ab und lassen ihre Opfer erneut nach Futter suchen. Aber die betrogenen Tiere profitieren auch von der Nähe der Drongos. Das berichten Forscher um Tom Flower von der südafrikanischen Universität Kapstadt im Fachjournal „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

Die in Afrika südlich der Sahara lebenden Trauerdrongos sind wahre Täuschungskünstler. Bis zu 32 verschiedene Warnsignale haben die Sperlingsvögel in ihrem Repertoire. Doch der Vogel bietet seinen Opfern offenbar auch Vorteile: Denn Drongos warnen auch, wenn tatsächlich Gefahr droht. Davon profitiert etwa der Siedelweber. Die Forscher beobachteten in der Kalahari-Wüste zwölf Kolonien dieser Webervögel und registrierten ihr Verhalten gegenüber 96 Trauerdrongos. Dabei stellten sie immer wiederkehrende Rufmuster fest, die die Drongos nur in Anwesenheit der Siedelweber ausstießen. Die Webervögel nahmen die Rufe ernst und wurden entweder aufmerksam oder flüchteten. Ein anderer Drongo-Ruf wurde von den Webern offenbar als Entwarnung verstanden. Sie kamen wieder aus ihren Verstecken hervor und suchten erneut nach Futter, das ihnen die Drongos dann wieder stehlen konnten.

Dennoch profitierten auch die Siedelweber: In der Nähe von Drongos waren sie weniger wachsam und konnten so effektiver Futter suchen. Denn die Drongos warnten auch, wenn tatsächlich Gefahr drohte. Gaben sie anschließend Entwarnung, konnten die Siedelweber mehr Zeit auf die Futtersuche verwenden. Dies zeige, dass auch ein bisweilen unehrlicher Wächter Vorteile biete, schreiben die Forscher.