Lese- und Rechenvermögen liegt in denselben Genen

London. Die Fähigkeiten des Lesens und Rechnens beruhen offenbar zu einem großen Teil auf gemeinsamen genetischen Grundlagen. In einer umfangreichen Studie kommt ein internationales Team zu dem Schluss, dass vermutlich etwa die Hälfte jener Gene, die das Lesevermögen beeinflussen, auch zur Mathematik-Leistung beitragen. Das fanden Forscher um Oliver Davis vom University College London heraus, wie sie im Fachblatt „Nature Communications“ berichten. Bekannt war, dass Dyslexie und Dyskalkulie – also Probleme beim Lesen und Schwierigkeiten beim Rechnen – genetische Komponenten haben. „Diese Schwierigkeiten betreffen in englischsprachigen Ländern mehr als zehn Prozent der Bevölkerung, wobei undiagnostizierte Probleme die Volkswirtschaften jährlich Milliarden Dollar kosten“, schreiben die Forscher.

Um die genetischen Zusammenhänge zu prüfen, testeten die Wissenschaftler zunächst das Lese- und das Rechenvermögen bei fast 3000 ein- oder zweieiigen Zwillingen im Alter von zwölf Jahren. Die Resultate glichen sie mit rund 1,6 Millionen Genmarkern ab. Die stärksten Hinweise auf einen Zusammenhang prüften sie erneut an mehr als 2100 weiteren Menschen. Anhand der Unterschiede von ein- und zweieiigen Zwillingen kalkulierten die Forscher den Beitrag genetischer Komponenten. Demnach liegt die Vererbbarkeit bei einer Leseschwäche bei etwa 66 Prozent, bei Rechenschwäche bei etwa 51 Prozent.

Ein hoher Anteil des Zusammenhangs zwischen Lese- und Rechenfähigkeiten beruhe auf Genetik, schreiben die Forscher. „Wir schätzen, dass mindestens zehn Prozent, wahrscheinlich etwa die Hälfte der genetischen Varianten, die mindestens eines der Merkmale beeinflussen, auch zu dem anderen beitragen.“ Mit einem größeren Verständnis dafür sei es leichter, wirksame Lernumgebungen zu schaffen.

( (dpa) )

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