Zuckerkrankheit

Fördert das Enzym Hämoxygenase-1 Diabetes?

Spiegel von HO-1 beeinflusst wohl Folgeerkrankungen bei Übergewichtigen

Wien. Bisher sah man das Körpergewicht, die Bauchfettmenge oder den Fettanteil als Auslöser an. Wenn übergewichtige Menschen an Diabetes erkranken, könnte jedoch das Enzym Hämoxygenase-1 (HO-1) dafür verantwortlich sein, schreiben Forscher aus Deutschland, Österreich und den USA in der Fachzeitschrift „Cell“. Menschen mit niedriger HO-1-Aktivität entwickeln demnach selten Folgeerkrankungen. Menschen mit hohem HO-1-Spiegel haben dagegen häufiger Diabetes.

„Das deutet sehr stark darauf hin, dass HO-1 direkt in der Schnittstelle zwischen Übergewicht und Folgeerkrankungen wirkt“, wird einer der Studienleiter, Harald Esterbauer von der Universität Wien, in einer Mitteilung zitiert. Das Enzym sei damit ein neues Ziel für diagnostische und therapeutische Ansätze. Als Biomarker könne es möglicherweise helfen, das Erkrankungsrisiko von Übergewichtigen besser einzuschätzen.

Für die Untersuchung entnahmen die Wissenschaftler Gewebe von 51 Menschen, die sich einer Operation zur Gewichtsreduktion unterzogen hatten. Sie hatten einen Körper-Masse-Index (BMI) von mehr als 30 und wurden somit als fettleibig eingestuft. Als Kontrollgruppe dienten sechs normalgewichtige Patienten, bei denen ein anderer chirurgischer Eingriff vorgenommen wurde. „Der Zusammenhang zwischen HO-1-Werten und dem Gesundheitszustand der Patienten war überwältigend“, betont Esterbauer. „Weder Gewicht, Fettanteil oder die Menge an ungesundem Bauchfett waren aussagekräftiger.“

Einblicke in die Stoffwechselzusammenhänge lieferten Untersuchungen an Mäusen. Demnach fördert HO-1 chronische Entzündungen: Tiere, bei denen das Enzym in den Fresszellen des Immunsystems, den Makrophagen, genetisch abgeschaltet war, nahmen zwar zu wie Mäuse mit intaktem Enzym. Sie entwickelten aber trotz Übergewicht weder Diabetes noch eine Fettleber, blieben gesund und lebten so lange wie ihre Artgenossen mit Normalgewicht.

Der Grund: Der Verlust von HO-1 entschärft die Makrophagen. Die Fresszellen können sich nicht mehr im Fettgewebe ansammeln – und so chronische Entzündungen und Typ-2-Diabetes auslösen. Weitere Untersuchungen an Mäuse-Leberzellen zeigten, dass HO-1 Diabetes auch direkt fördert: Zellen ohne HO-1 sprachen besser auf Insulin an und können so Blutzucker besser aufnehmen. Das Enzym verändert den Forschern zufolge die Insulin-Rezeptoren der Zellen und hemmt so die Wirkung von Insulin.

In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin die Mehrheit der Männer (67,1 Prozent) und Frauen (53,0 Prozent) übergewichtig. Ein knappes Viertel der Erwachsenen – 23,3 Prozent der Männer und 23,9 Prozent der Frauen – sind fettleibig. Personen mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für Diabetes 2, Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmte Krebsarten. Laut RKI haben rund sechs Millionen Menschen in Deutschland Diabetes 1 oder 2.