Studie klärt, warum Rhythmen basslastig sind

Hamilton. Bässe für den Rhythmus, hohe Töne für die Melodie: Dieses musikalische Schema, das uns selbstverständlich erscheint, basiert anscheinend auf neurologischen Grundlagen. Auf Rhythmen reagieren Menschen einer Studie zufolge dann viel sensibler, wenn sie in niedriger Frequenz ertönen. Das berichten kanadische Wissenschaftler im Fachjournal „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

In der Musik nutzen Menschen für Melodien eher hohe Tonlagen, für Rhythmen dagegen tiefe Frequenzen. In einer früheren Studie hatte Hauptautor Laurel Trainor von der kanadischen McMaster University in Hamilton (Provinz Ontario) schon gezeigt, dass Menschen – Musiker wie Laien, Erwachsene wie Kinder – melodische Abweichungen eher in höheren Tonlagen erkennen.

Nun prüfte Trainor, wie Menschen auf rhythmische Abweichungen reagieren. Dazu präsentierten die Forscher 17 Teilnehmern zwei gleichzeitige Klaviertöne in hoher und niedriger Frequenz, die sich alle halbe Sekunde wiederholten. Dabei erklang manchmal entweder nur der höhere oder nur der tiefere Ton 50 Millisekunden früher. Während der Versuche maßen die Forscher die Hirnströme per Elektroenzephalografie (EEG). Resultat: Auf rhythmische Abweichungen des tiefen Tons reagierte das Gehirn deutlich stärker.

In einem zweiten Versuch sollten die Teilnehmer die Töne synchron mitklopfen. Hier brachte ein vorzeitig erklingender niedriger Laut die Zuhörer stärker aus dem Takt als ein höherer. „Diese Resultate zeigen, dass der tiefere Ton im Vergleich zum hohen Ton größeren Einfluss sowohl auf die Wahrnehmung des Timings hat als auch auf die Einleitung motorischer Bewegungen zu einem Takt“, schreiben die Wissenschaftler. Dies erkläre, warum für den Rhythmus gewöhnlich basslastige Instrumente oder Frequenzen genommen würden. Als Beispiel nennen die Forscher etwa das Ragtime-Piano, bei dem die tiefere Linie den Rhythmus vorgibt und die hohen Töne die Melodie führen.

Die Wissenschaftler glauben, dass die akustische Dynamik in der Hörschnecke für die Wirkung der Basstöne verantwortlich ist. „Man könnte vermuten, dass weit verbreitete musikalische Kompositionsgewohnheiten auf den grundlegenden Eigenschaften des Hörsystems basieren“, schreiben sie. „Insgesamt zeigen diese Studien, dass die musikalische Praxis, melodische Information in die höchsten Stimmen und die wichtigsten rhythmischen Informationen in die tiefsten Stimmen zu legen, ihre Wurzeln in grundlegenden Eigenschaften des auditiven Systems haben könnte.“