550 Millionen Jahre altes Riff in Namibia entdeckt

Edinburgh. In der Wüste Namibias haben Forscher eines der ältesten Meeresriffe gefunden. Das rund 550 Millionen Jahre alte Gebilde wurde offenbar von den ersten Tieren angelegt, die harte Schalen bildeten. Das Besondere daran: Das Riff ist älter als das Kambrium – also jene vor rund 540 Millionen Jahren beginnende Phase, in der während der kambrischen Explosion nahezu schlagartig zahllose Tierarten auftauchten. Das berichten Forscher aus Großbritannien und Namibia in der Zeitschrift „Science“.

Riffe können durch Erosion aus Gestein entstehen oder – wie im Fall von Korallenriffen – durch Organismen. Erbauer des in Namibia gefundenen Riffs waren Tiere der Gattung Cloudina, die im Zeitalter Ediacarium lebten, das vor 541 Millionen Jahren endete. Sie bildeten trichterförmige Gehäuse, auf denen sich dann wiederum andere Artgenossen ansiedeln konnten. Einer der gefundenen Riffkomplexe ist mindestens sieben Kilometer lang und 300 Meter breit. Er besteht aus fünf Meter hohen Hügeln von bis zu 20 Metern Durchmesser, die parallel zur damaligen Küstenlinie verlaufen. Das Alter datieren die Forscher auf etwa 548 Millionen Jahre. Die bislang ältesten Riffe von vielzelligen Tieren sind etwa 530 Millionen Jahre alt und stammen somit bereits aus dem Kambrium.

Vermutlich gingen die Tiere dazu über, Riffe zu bauen, um sich vor Räubern zu schützen, mutmaßen die Wissenschaftler. Sie belegen dies mit Cloudina-Funden in China, deren Gehäuse gebohrte Löcher aufweisen. Zudem schützten Riffe die Tiere vor starkem Seegang. Letztlich habe die Entwicklung zu einer deutlich größeren Artenvielfalt im Meer geführt, schreiben die Wissenschaftler.