Forscher entdecken 2300 Jahre alte Stätte im Süden Perus

Künstliche Landschaft könnte rituellen Zwecken gedient haben

Lima. Im Süden Perus haben Forscher Überreste einer mehr als 2000 Jahre alten Stätte gefunden, die astronomischen und rituellen Zwecken diente. Im Chincha-Tal sind teils kilometerlange Erdlinien auf jenen Ort ausgerichtet, wo vor 2300 Jahren zur Wintersonnenwende die Sonne unterging. Das berichtet das Team der University of California in Los Angeles in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“). Demnach sind die Linien etwa 300 Jahre älter als die weiter südlich gelegenen berühmten Geoglyphen von Nasca.

Die Geoglyphen im Chincha-Tal werden der späten Phase der Paracas-Kultur im Zeitraum von 400 bis 100 vor Christus zugerechnet. Auf etwa 30 Quadratkilometern dokumentierten die Forscher 71 Geoglyphen, die nur wenige Zentimeter tief in die Erde geritzt sind, oft über mehrere Kilometer Länge. Viele Linien gehen von aufgeschütteten Plattformen aus. Die Längsseiten von zwei der Plattformen und von zehn Linien weisen in jene Richtung, in der damals bei der Sonnenwende im Juni die Sonne unterging. Da das Chincha-Tal auf der Südhalbkugel liegt, markieren diese Geoglyphen die Wintersonnenwende. Die Analyse von Pflanzenresten deutet darauf hin, dass Teile der Konstruktionen etwa 2300 Jahre alt sind.

Die Forscher vermuten, dass das Gebiet zwischen der Küste und den Bergen rituellen Handlungen diente. „Die Paracas-Gesellschaften schufen in dieser Region eine künstliche Landschaft in einer Wüste, um wiederkehrende soziale Ereignisse zu vermitteln.“ Die Forscher gehen davon aus, dass die Linien teils religiösen, teils weltlichen und sozialen Zwecken dienten.