Was tun bei einem Asthmaanfall?

Hamburger Lehrer und Schüler sollen besser über die häufigste chronische Krankheit bei Kindern informiert sein

Hamburg. Das Kind leidet plötzlich unter Atemnot. Es kann die Luft kaum noch ausatmen, sein Puls steigt, und es sind pfeifende Atemgeräusche zu hören – ein akuter Asthmaanfall. Und damit ein Notfall, der gar nicht so selten ist, denn Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Laut Studien sind zwischen zwölf und 17 Prozent der Kinder im Schulalter davon betroffen. „Jeder Lehrer muss damit rechnen, dass er mit einem solchen Asthma-Notfall konfrontiert wird. Doch an den Hamburger Schulen herrscht ein Wissensnotstand in Sachen Asthma. Nach Umfragen wissen 70 bis 80 Prozent der Lehrer nicht, was sie in einem solchen Fall tun sollen und sind nicht nicht genügend informiert“, sagt Dr. Tibor Schmoller, Lungenfacharzt in Hamburg.

Um Lehrer und Schüler über die Erkrankung aufzuklären und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie betroffenen Kindern helfen können, hat Schmoller 2007 zusammen mit Prof. Frank Riedel vom Altonaer Kinderkrankenhaus das Asthma-Informationsprojekt gegründet. Am Mittwoch haben sich daran beteiligte Hamburger Experten getroffen, um erneut auf die Erkrankung aufmerksam zu machen. Denn das Projekt ist in den Schulen noch nicht so richtig angekommen. „Von Schülern und Lehrern haben wir bisher relativ wenig Reaktionen erhalten. Das mag auch daran liegen, dass die Lehrer durch die enormen Umstellungen an den Schulen völlig überlastet sind. Klar ist aber, dass der Wissensnotstand immer noch nicht behoben ist“, sagt Schmoller.

Das Asthma-Informationsprojekt ist ein gemeinsames Projekt von Hamburger Lungenfachärzten und der Behörde für Schule und Berufsbildung. Es wird unterstützt von der Hamburger Ärztekammer und dem Hamburger Hausärzteverband. Finanziert wird es von der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG) und Spenden aus der Pharmaindustrie.

Die Informationskampagne wendet sich an Lehrer und Schüler ab der 5. Klasse und soll durch konkrete Informationen über mögliche Auslöser dazu dienen, der Erkrankung vorzubeugen. Weitere Ziele sind die Früherkennung von Asthma und die bessere Integration der betroffenen Kinder in den Schulunterricht. Außerdem sollen Lehrern und Erziehern Informationen an die Hand gegeben werden, was bei einem akuten Asthmaanfall zu tun ist.

Dafür steht unterschiedliches Info-Material zur Verfügung. So wurde bereits im vergangenen Herbst der Ratgeber „Das Asthma-Selbsthilfebuch“ den Bibliotheken aller weiterführenden Hamburger Schulen zur Verfügung gestellt. Ein weiterer Teil des Projekts ist die Webseite www.asthma-schule.de. „Dort gibt es jetzt auch die Möglichkeit, Informationsmaterial herunterzuladen sowie Bilder, welche die Lehrer den Kindern im Biologieunterricht zeigen können. Wir wollen auch Seminare für Lehrer anbieten, aber dafür müssen genügend Anmeldungen zusammenkommen“, sagt Schmoller. Das Projekt bietet Lehrern Infomaterial für eine 45-minütige Schulungseinheit im Biologieunterricht an, in der 30 Minuten der Asthma-Erkrankung gewidmet sind und zehn Minuten dem Risiko des Rauchens.

Denn nur wer ausreichend Information besitzt, kann Betroffenen bei einem akuten Asthmaanfall eine wirkliche Hilfe sein: „Denn man muss beruhigend auf die Kinder einwirken, sie dazu anhalten, ruhig in den Bauch zu atmen und die Lippenbremse bei der Ausatmung zu benutzen sowie die Arme zur Unterstützung der Atmung zu entlasten.“ Die Lippenbremse ist eine spezielle Atemtechnik, bei der die Betroffenen gegen die locker aufeinandergelegten Lippen atmen. Dadurch wird die Ausatmung erleichtert.

Außerdem müssen die Kinder ein Spray inhalieren, das die Atemwege erweitert. Ist der Anfall auch durch wiederholte Anwendung des Sprays sowie – sofern vorhanden – zusätzliche Gabe von Cortison-Tabletten nicht zu beheben, muss der Rettungsdienst gerufen werden. „Es ist zu überlegen, ob Schulen solche Sprays sowie Cortison-Tabletten in der Notfallapotheke haben sollten, für den Fall, dass ein Kind seine Medikamente zu Hause vergessen hat“, sagt Schmoller.

Die häufigsten Auslöser für einen Anfall sind Infekte und allergische Reaktionen

Damit es gar nicht erst zu solchen dramatischen Situationen kommt, sollten auslösende Faktoren möglichst vermieden werden. „Die häufigsten Auslöser sind Infekte und allergische Reaktionen, zum Beispiel auf Pollen und Hausstaubmilben“, sagt Schmoller. Deswegen sollten Lehrer sich zum Beispiel vor Klassenreisen darüber informieren, welche Schüler Allergiker sind, und dann dafür sorgen, dass sie für Übernachtungen in Jugendherbergen hausstaubmilbendichte Bezüge für die Betten mitnehmen.

Ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Asthma und auch das Auftreten von akuten Anfällen bei Asthmatikern ist das Rauchen, sowohl passiv wie aktiv. „Je länger und je mehr Zigaretten geraucht werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das Asthma entsteht“ sagt Schmoller und beruft sich auf eine große Studie, in der 3800 Kinder in München und Dresden in der Zeit vom zehnten bis zum 17. Lebensjahr beobachtet wurden. Danach hat ein 14-jähriger Schüler, der zwei Jahre raucht, sein Asthma-Risiko verdoppelt, wenn er mehr als zehn Zigaretten täglich raucht bereits verdreifacht und wenn er vier Jahre raucht vervierfacht.

Ein weiterer Risikofaktor, der zu einer schnellen Zunahme der Asthma-Erkrankungen führt, ist die Schadstoffbelastung der Luft mit Stickstoffmonoxid, Ozon und Staubpartikeln. „Dieser Risikofaktor spielt aber eher in Ländern eine Rolle, in der zurzeit eine schnelle und unkontrollierte Industrialisierung stattfindet, wie zum Beispiel China oder Indien“, sagt Schmoller.

In den westlichen Industrieländern sei die Zunahme der Asthma-Erkrankungen vor allem durch Zigarettenrauch und Übergewicht bedingt – und durch übertriebene Hygiene: Nach dieser sogenannten Schmutzhypothese entstehen Allergien dadurch, dass das Immunsystem nicht mehr ausreichend trainiert wird. Es ist sozusagen „unterbeschäftigt“ und reagiert dann überempfindlich auf bestimmte Substanzen. So werden aus harmlosen Stoffen, die eigentlich gar keine Feinde sind, bedrohliche Allergene.