Nutzen des Grippemittels Tamiflu umstritten

London. Laut einer groß angelegten Studie ist der Nutzen des Grippemittels Tamiflu fraglich. Demnach kann Tamiflu zwar die Dauer von grippeartigen Symptomen um etwa einen halben Tag verringern. Dafür riskieren Patienten jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen. Zu diesem Schluss kommt die Cochrane Collaboration in ihrer Analyse medizinischer Studien im „British Medical Journal“ (BMJ). Hinweise darauf, dass das Mittel Komplikationen und Krankenhausaufenthalte verhindert, fanden die Forscher nicht.

Erst vor einem Monat war eine Studie im Fachblatt „The Lancet Respiratory Medicine“ zu einem anderen Ergebnis gelangt. Demnach senkten Neuraminidasehemmer wie Tamiflu bei Patienten, die während der H1N1-Epidemie 2009–2010 in Krankenhäuser kamen, das Sterberisiko um 25 Prozent. Die Gefahr sank insbesondere dann, wenn die Erkrankten die Medikamente früh einnahmen.

Der Nutzen von Tamiflu und anderen Mitteln, die das Virenenzym Neuraminidase hemmen, ist seit Jahren umstritten, auch weil viele Studiendaten der Hersteller nicht zugänglich waren. 2009 hatten Regierungen weltweit zum Schutz vor der sogenannten Schweinegrippe H1N1 Milliardenbeträge für Vorräte ausgegeben, vor allem um gegen schwere Komplikationen vorzubeugen. Seitdem sei der Einsatz des Mittels laut „BMJ“ drastisch gestiegen.

( (dpa) )

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