Die digitale Gesellschaft

Zusätzliche Chance bei der Jobsuche

Immer mehr Unternehmen rekrutieren Personal auch in beruflichen Netzwerken. Experte empfiehlt „fein dosierte Präsentation im Netz“

Hamburg. Führt der Weg zum neuen Job heutzutage zwangsläufig auch über das Internet? Soweit es Bewerbungen betrifft, ist dies zunehmend der Fall: Bereits 2012 verlangten in Deutschland 41 Prozent der Unternehmen Online-Einsendungen, wie eine Umfrage des IT-Verbands Bitkom ergab. Im Gegensatz dazu wünschten sich 40 Prozent der Unternehmen eine Bewerbung auf Papier; 17 Prozent der befragten Personalchefs hatten keine Präferenz. Wer Anschreiben und Lebenslauf nicht digital verschicken kann, hat inzwischen also oft das Nachsehen.

Sollten sich Arbeitnehmer aber auch im Internet in beruflichen Netzwerken wie Xing und LinkedIn darstellen – selbst wenn sie gerade keinen neuen Job suchen? Das hänge vor allem davon ab, ob man sich prinzipiell weiterentwickeln wolle, sagen Ökonomen, Personal- und Unternehmensberater. „Immer mehr Unternehmen, gerade jüngere und aus der Dienstleistungsbranche, suchen Personal zunehmend auch auf beruflichen Onlineportalen“, sagt Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Wer dort gar nicht aktiv ist, hat zwar nicht zwangsläufig schlechtere Karrierechancen. Aber er verpasst eine Chance, sich mit einfachen Mitteln vielen potenziellen Arbeitgebern zu präsentieren und womöglich einen Karrieresprung zu machen.“

Berater: „Eine komplette Abstinenz kann auch negativ bewertet werden“

Zwar sei ein Engagement bei Xing & Co. bisher nicht in allen Branchen gleichermaßen wichtig, sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants GmbH. „Je mehr ein Arbeitsgebiet etwa mit IT, Technik und elektronischem Handel zu tun hat, desto eher gehört eine digitale Präsenz von Bewerbern zum guten Ton“, sagt der Personalberater. Grundsätzlich sei eine Darstellung im Netz zwar kein Muss, aber: „Eine komplette Abstinenz kann auch negativ bewertet werden nach dem Motto: Da geht jemand nicht mit der Zeit.“ Zudem solle jeder Beschäftige bedenken, dass sich in seiner Branche die Arbeitsmarktsituation verschlechtern könnte. „Da ist es gut, einen Plan B zu haben. Und dieser ergibt sich womöglich über neue Kontakte in beruflichen Netzwerken.“

Kracht empfiehlt eine „fein dosierte“ Präsentation im Netz. „Man sollte nicht jedes berufliche Detail nennen und schon gar nicht sein Innerstes nach Außen kehren“, sagt der Personalberater. „Der Umgang mit den eigenen Daten repräsentiert auch ein Verantwortungsbewusstsein.“ Beschrieben werden sollten die wichtigsten Qualifikationen. Es sollte deutlich werden, was jemanden als Fach- oder Führungskraft auszeichnet. „Wichtig ist das Prinzip Wahrheit und Klarheit“, sagt Kracht: „Man sollte sich nicht größer machen, als man es in einer Position war.“

Marcus Reif, Leiter der Abteilung Personalbeschaffung bei der Unternehmensberatung Ernst & Young, empfiehlt, mit möglichst vielen Stichwörtern zu Qualifikationen zu arbeiten, weil man dadurch besser gefunden werde, wenn ein Unternehmen mit bestimmten Begriffen nach passendem Personal suche. Reif findet es in einem gewissen Rahmen auch sinnvoll, Hobbys zu nennen, zum Beispiel Sport und Reisen. Die Gefahr, durch ein Interesse für Reisen vergnügungsorientiert zu wirken, sehe er nicht, sagt der Unternehmensberater. „Sie zeigen dadurch doch auch, dass Sie sich für andere Kulturen interessieren und bereit sind, Ihren Horizont zu erweitern.“

Welche Informationen sollte man besser für sich behalten? Hierfür hat Reif eine einfache Regel: „Alles, was Sie nicht in der großen Runde sagen und nicht Ihrer Mutter erzählen würden, hat auch in beruflichen Onlinenetzwerken nichts verloren.“