Neu entdeckte Käferarten halten sich nicht an Evolutionstheorie

Grenze zwischen asiatischer und australischer Tierwelt überquert

Karlsruhe. Die Entdeckung von acht bisher unbekannten Käferarten auf der indonesischen Insel Bali stellt Vermutungen zur Evolution der Fauna in Südostasien infrage. Das berichten Wissenschaftler aus Deutschland und Indonesien in der jüngsten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift „Proceedings“. Demnach gelangten die nur millimetergroßen Rüsselkäfer von Osten kommend nach Bali und überschritten dabei die sogenannte Wallace-Linie. Nach einer Theorie zur Evolution, aufgestellt 1859 von dem britischen Wissenschaftler Alfred Russel Wallace, trennt eine Linie zwischen den Inseln Bali und Lombok die asiatische von der australischen Tierwelt.

„Das Interessante ist, dass diese Rüsselkäfer sich überhaupt nicht daran hielten“, sagte Alexander Riedel vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe. Er erforschte auf Bali die flugunfähigen Käfer der Gattung Trigonopterus zusammen mit den Münchner Experten Rene Tänzler, Emmanuel Toussaint und Michael Balke sowie dem indonesischen Zoologen Yayuk Suhardjono. Anhand von molekulargenetischen Untersuchungen konnten die Insektenkundler belegen, dass die heute auf Bali lebenden Rüsselkäfer-Arten von Spezies aus Neuguinea abstammen, also östlich der Wallace-Linie, und zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten auf die Insel gelangten.

Wie die Insekten die Insel erreichten, obwohl die nur wenige Millimeter großen Käfer nicht fliegen können, konnten die Forscher bislang noch nicht sicher klären.

Jede Art habe ihre eigene ökologische Nische, die beim Abbau der Bodenstreu eine wichtige Rolle spiele. „Leider sind die neu entdeckten Käferarten ebenso wie ihre Lebensräume stark bedroht“, erklärte Alexander Riedel.

Die Insel Bali wird von Reisfeldern geprägt. Ursprünglicher Regenwald ist nur noch im Nationalpark Bali Parat sowie an einigen Vulkanhängen erhalten. In dem Nationalpark leben die Käfer in Höhen ab 450 Metern über dem Meeresspiegel.