Klima

Ansteigender Meeresspiegel bedroht Weltkulturerbe

Klimaforscher untersuchen, welche Kulturgüter von globaler Bedeutung gefährdet wären, wenn sich die Erde langfristig um drei Grad erwärmt.

Potsdam. Vom Tower of London über die Freiheitsstatue in New York bis zum Opernhaus in Sydney: Der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg bedrohen einer Studie zufolge zunehmend Stätten des Weltkulturerbes. Auch Denkmäler in Deutschland könnten betroffen sein.

Klettere die globale Durchschnittstemperatur in den kommenden 2000 Jahren nur um ein Grad Celsius, so seien weltweit 40 Kulturstätten unmittelbar vom Wasser bedroht, berichten Wissenschaftler. Die Studie der Universität Innsbruck und des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ist im Fachjournal „Environmental Research Letters“ veröffentlicht.

In Deutschland könnten in den kommenden 2000 Jahren Lübeck, Wismar oder Stralsund betroffen sein, in deren Altstädten sich Ostseewasser breitmachen würde. Insgesamt stehen derzeit weltweit deutlich über 700 Kulturdenkmäler auf der Liste der Uno-Kulturorganisation Unesco.

Klettere die Temperatur um drei Grad, würden sogar 136 Standorte auf lange Sicht unter dem Meeresspiegel liegen, betonte der Wissenschaftler Ben Marzeion von der Universität Innsbruck. Darunter seien die historischen Stadtzentren in Brügge, Neapel, Istanbul und St. Petersburg, aber auch Stätten in Indien und China. „Wenn wir den Klimawandel nicht begrenzen, werden die Archäologen der Zukunft einen großen Teil unseres Kulturerbes in den Meeren suchen müssen.“

Die Forscher haben am Computer für einen Zeitraum von 2000 Jahren die Entwicklung des Meeresspiegels modelliert. Sie berücksichtigten dabei auch den regional unterschiedlichen Anstieg der Meere sowie Sturmfluten.

Klimaforscher Anders Levermann vom PIK warnte vor den Auswirkungen auf die Menschheit: „Die globale Durchschnittstemperatur hat sich bereits um 0,8 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit erwärmt. Steigen unsere Treibhausgasemissionen weiter wie bisher, müssen wir bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer globalen Erwärmung um bis zu fünf Grad rechnen.“ Damit wären die heutigen Siedlungsgebiete von Millionen von Menschen an den Küsten betroffen.

Bei einer globalen Erwärmung um drei Grad könnten bereits bis zu zwölf Länder der Welt mehr als die Hälfte ihrer derzeitigen Landfläche verlieren. Vor allem Regionen in Südostasien, aber auch der US-Bundesstaat Florida gehörten dazu.

Die von der Unesco geführte Liste des Welterbes umfasst weltweit fast 1000 Stätten. Etwa drei Viertel von ihnen gelten als Kulturdenkmäler, die anderen sind als Naturdenkmäler gelistet. Einige Denkmäler gehören beiden Kategorien an.

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