Erderwärmung mit technischen Eingriffen kaum zu senken

Laut einer Studie sind Manipulationen am Weltklima gefährlich

Kiel. Kieler Forscher warnen eindringlich vor dem Versuch, die Erderwärmung mithilfe von Großtechniken zu bremsen. Die Potenziale solcher Techniken des sogenannten Climate Engineering seien relativ gering, die Nebenwirkungen aber könnten massiv sein, betonten die Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Sie haben in Computersimulationen die globalen Langzeitfolgen von verschiedenen Climate-Engineering-Maßnahmen untersucht. Die Ergebnisse präsentieren sie im Fachjournal „Nature Communications“.

Für ihre Studie wählten sie fünf viel diskutierte Maßnahmen: die Abschirmung von Sonnenstrahlung in der Atmosphäre, die Aufforstung großer Wüstengebiete in Nordafrika und Australien sowie drei verschiedene Techniken, mit denen Kohlendioxid im Ozean gebunden werden soll. Parallel ließen die Forscher ihr Erdsystemmodell ohne klimaregulierende Maßnahmen auf Grundlage aktueller Prognosen des Uno-Klimarats laufen.

Selbst wenn verschiedene Technologien kombiniert würden, ließe sich das Ziel, den globalen Temperaturanstieg bis 2100 auf etwa zwei Grad Celsius zu begrenzen, nicht erreichen, schreiben die Forscher. Nach Angaben des Teams um David Keller und Prof. Andreas Oschlies sind die einzelnen Technologien entweder „relativ ineffektiv“ mit begrenzten Wärmereduzierungen (weniger als acht Prozent) oder haben schwere Nebenwirkungen. Einmal ergriffene Maßnahmen könnten nicht gestoppt werden, ohne dass sich der Klimawandel danach beschleunige.

Selbst unter idealen Voraussetzungen wäre der Nutzen der einzelnen Maßnahmen in den Modellen begrenzt. Die Aufforstung der Sahara und des australischen Outbacks habe sogar die Erderwärmung verstärkt. „Die Wälder absorbierten zwar Kohlendioxid aus der Atmosphäre, dafür wurde die Erdoberfläche aber dunkler und konnte mehr Wärme speichern“, erläuterte Keller das Phänomen. Für Oschlies wäre der schlimmste Fall, wenn der Monsun sich nördlich oder südlich verschieben oder in Indien sogar ganz ausbleiben würde.

Eine weitere Frage, mit der sich die Forscher beschäftigten: Was passiert, wenn die eingesetzten Technologien aus politischen oder technischen Gründen abgeschaltet oder wieder rückgängig gemacht werden? „Bei fast allen sahen wir eine rasante Angleichung an die Klimaentwicklung ohne Climate Engineering“, berichtete Keller. Wenn etwa die Sonnenstrahlung nach 50 Jahren plötzlich nicht mehr abgeschwächt werden würde, erwärmte sich die Erde innerhalb weniger Jahrzehnte oder gar Jahre um mehrere Grad. „Die Entwicklung wäre viel schneller als der aktuelle Klimawandel, mit möglicherweise noch katastrophaleren Folgen.“