Mars-Reise mit Rückkehr ist 2046 denkbar

Ehemaliger Astronaut Ulrich Walter traut Russland und den USA ein solches Projekt zu. Für die Europäische Raumfahrtagentur ist es eine Nummer zu groß

München. Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter glaubt, dass erstmals im Jahr 2046 Menschen auf dem Mars landen und wieder zurückfliegen werden. Es müsse eine besondere Konstellation zwischen Erde und Mars herrschen, die Rückflüge zeitlich besonders günstig macht, sagte der Münchner Professor für Raumfahrttechnik in einem Gespräch anlässlich seines 60. Geburtstags (9. Februar) der Nachrichtenagentur dpa. Eine solche Konstellation trete nur alle 15 Jahre ein. „2031 wäre ein gutes Fenster für einen Hinflug, aber bis dahin werden die Amerikaner und Russen mit den Vorbereitungen noch nicht so weit sein.“ Die nächste gute Chance sei dann erst 2046.

Die einfachere Variante, nämlich Flug zum Mars, Umrundung und Rückflug zur Erde, solle schon am 8. Januar 2018 starten und 500 Tage dauern. „Der einzige Knackpunkt ist der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Dass das klappt, schätze ich auf 80 Prozent ein – da würde ich mitfliegen“, sagte Walter, der als Astronaut 1993 an Bord des Spaceshuttles „Columbia“ im All war.

Die private niederländische Initiative Mars One will 2024 zum Mars fliegen und dort landen. Sie ist nach Einschätzung des Physikers ein Himmelfahrtskommando: „Das Konzept basiert darauf, dass Teilnehmer nicht zur Erde zurückkehren. Weil der Mars keine Atmosphäre hat, kann man keinen Fallschirm benutzen. Die Chance, heil auf dem Mars zu landen, schätze ich auf nicht mehr als 20 Prozent. Und die Chance, mehr als zwei Monate auf dem Mars zu überleben, auf zehn Prozent. Also: Da würde ich keinesfalls mitfliegen.“ Die Technologien seien zwar da, aber noch nicht zuverlässig genug. Auch sei noch nie gezeigt worden, dass es technisch möglich sei, längere Zeit autark in einer so lebensfeindlichen Umgebung zu überleben, so Walter. Trotzdem hätten sich 200.000 Bewerber für das Projekt gemeldet.

Eine Mission, die neben Hinflug und Landung auf dem Mars auch eine Rückkehr zur Erde beinhaltet, sei ungleich aufwendiger und mit entsprechend hohen Kosten verbunden, sagte Walter. Für die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) sei ein solches Projekt eine Nummer zu groß: „ Die Esa ist die Summe von 20 Staaten. Wenn sie ein großes bemanntes Programm machen wollen, müssen alle Staaten zustimmen und dazu beitragen. Das klappt aber nie. Sie können daher nur Programme machen mit ein paar Hundert Millionen Euro von nur einigen Staaten, die sagen: Wir sind daran interessiert. Außerdem müssen die Minister der Staaten alle drei bis vier Jahre neu entscheiden. Die Nasa sagt hingegen einfach: Wir machen jetzt mal ein Programm für zehn Jahre – und dann hält sie sich daran.“ Forschungsmodule zum Shuttle oder Weltraumstationen wie „Spacelab“ oder „Columbus“ seien die einzige Art, wie die Esa überhaupt einen Beitrag zur bemannten Raumfahrt leisten könne, sagte Walter. Ansonsten baue die Esa vor allem Umweltsatelliten, die nur einige Millionen Euro kosteten. Auch das sei „wissenschaftlich höchst interessant“.