Vormarsch der Schweinepest alarmiert Forscher

In Litauen sind Wildschweine infiziert. Erreger kann schnell nach Deutschland kommen

Riems/Schwerin. Die Afrikanische Schweinepest hat das Gebiet der EU erreicht und wird nach Einschätzung von Experten eine zunehmende Gefahr für deutsche Schweinebestände. Nach dem Nachweis der Seuche bei litauischen Wildschweinen sei das Risiko erhöht, dass das Virus über Polen in deutsche Schwarzwildbestände gelangt, sagte Sandra Blome, Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Afrikanische Schweinepest am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems. Litauen hatte am 24. Januar die Infektion in Wildschweinen bestätigt. Für Menschen ist der Erreger ungefährlich.

Bei Wild- und Hausschweinen gilt er als hochinfektiös. Bereits über eine sehr geringe Menge Blut könne er übertragen werden, sagte Blome, ebenso über andere Körperflüssigkeiten oder kontaminierte Gegenstände. Die Sterblichkeit von infizierten Tieren liege bei nahezu 100 Prozent. Bei einer Einschleppung müssten laut der Schweinepestverordnung die betroffenen Hausschweinbestände gekeult werden, Sperrbezirke würden eingerichtet, der Handel mit Schweinen und Schweineprodukten käme zum Erliegen.

Deutschland gehört zu den weltweit größten Produzenten von Schweinefleisch. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes werden hierzulande jährlich 5,5 Millionen Tonnen Schlachtgewicht erzeugt; das bedeutet Rang drei hinter China und den USA.

Der Erreger war vermutlich im Jahr 2007 aus Afrika nach Georgien eingeschleppt worden und hatte sich über Russland nach Litauen ausgebreitet. Blome appellierte an Schweinehalter, höchste Sicherheitsstandards einzuhalten. Jäger sollten verendete Wildschweine zur Untersuchung bringen, um den Erreger möglichst früh identifizieren zu können.

Das Virus kann von Rotte zu Rotte nach Westen vordringen, aber auch durch den Jagdtourimus in Litauen. Mit Trophäen und nicht gereinigten Jagdutensilien könne der Erreger schnell eingeführt werden, sagt Blome.