Karl der Große überragte seine Zeitgenossen deutlich

Aachen. Wissenschaftler halten die in Aachen aufbewahrten Knochen Karls des Großen für echt. Sie stammten von einem einzigen erwachsenen, älteren und großen Mann. „Aufgrund der Forschungsergebnisse von 1988 bis jetzt können wir sagen, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das Skelett von Karl dem Großen handelt“, sagte Prof. Frank Rühli vom Anatomischen Institut der Universität Zürich. Er und der Anthropologe Georg Schleifring stellten jetzt zum ersten Mal die Forschungsergebnisse zu den Knochen seit der letzten Öffnung des Karlsschreins 1988 vor. In dem Schrein im Aachener Dom lagen größtenteils die Gebeine, in der Karlsbüste Teile des Schädels.

1988 dokumentierte Schleifring 94 Knochen und Knochenfragmente im Karlsschrein. Später wurde der Schädelrest in der Karlsbüste untersucht und ein Schienbeinknochen aus dem Karlsreliquiar. Die Forscher berichteten jetzt erstmals zusammenfassend über die medizinhistorischen, anthropologischen und pathologischen Untersuchungen. Sie kommen zu dem Schluss, dass Karl ein wirklich großer Mann gewesen sein muss.

Mit einer Größe von 1,84 Meter habe er fast jeden anderen Mann seiner Zeit deutlich überragt. Mit „grob berechneten“ 78 Kilogramm und einem Body Mass Index von 22 sei Karl ein schlanker Mann gewesen. Grundlage seien Messdaten von Oberarm, Oberschenkel und zwei Schienbeinen gewesen. In einer Mischrechnung aus früheren Methoden sei die Größe berechnet worden. Frühere Berechnungen nach acht verschiedenen Methoden hatten eine Größe zwischen 1,79 und 1,92 Meter ergeben.

Die Forscher konnten keine Hinweise zu Karls Gesundheitszustand finden. Aber dass er im hohen Alter hinkte, wie von dem fränkischen Biografen Einhard beschrieben, halten sie für sehr gut möglich: An der Kniescheibe und am Fersenbein gab es knöcherne Ablagerungen. Für die Todesursache – vermutlich eine Lungenentzündung – fanden sie keine Beweise. Aber Einhards Beschreibung von stechenden Schmerzen im Brustbereich und Fieber könnten darauf hinweisen.