Neandertaler-Gene halfen bei Anpassung an kühle Umgebung

Boston/Seattle. Gene von Neandertalern haben den Vorfahren moderner Menschen wahrscheinlich dabei geholfen, sich an die kühlere Umgebung außerhalb Afrikas anzupassen. Neandertaler-Erbgut ist in heutigen Europäern und Ostasiaten insbesondere an Stellen vorhanden, an denen Wachstum und Ausgestaltung von Haut und Haaren geregelt werden. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher in zwei Studien, die sie in den Journalen „Nature“ und „Science“ veröffentlicht haben.

Beide Arbeiten stützen sich auf die Daten des 1000-Genom-Projekts, für das von heute lebenden Menschen jeweils das komplette Erbgut entziffert wurde. Forscher um Sriram Sankararaman fanden das Neandertaler-Erbgut an Stellen, die die Bildung des Proteins Keratin beeinflussen, das für Haut und Haare wichtig ist. Benjamin Vernot und Joshua M. Akey berichten, dass ein Gen, das unter anderem die Färbung von Haaren und Haut regelt, bei Europäern zu 70 Prozent in der Neandertaler-Variante vorliegt, während diese bei Ostasiaten nicht zu finden ist. Dies könne einige äußerliche Unterschiede zwischen den Menschengruppen erklären.

Nach dem derzeitigen Wissensstand haben sich die Neandertaler früh vom Stammbaum der heutigen Menschheit abgetrennt. Später gingen auch die Vorfahren moderner Afrikaner einerseits und Europäer und Ostasiaten andererseits getrennte Wege. Während die Afrikaner nicht mehr mit Neandertalern in Berührung kamen, hatten die Vorfahren der Europäer und Ostasiaten mit Neandertalern gelegentlich gemeinsame Kinder.

Die so in das Erbgut des modernen Menschen gelangten Gene sind heute noch nachweisbar. Durchschnittlich 1,15 Prozent des Erbguts der Europäer und 1,38 Prozent des Erbguts der Ostasiaten stammten vom Neandertaler, heißt es in der „Nature“-Studie. Zwar sei der genetische Anteil in einzelnen Menschen gering, insgesamt habe sich jedoch ein Fünftel des Neandertaler-Erbguts in der Menschheit erhalten, so die „Science“-Autoren.