Hepatitis C: Neue Therapie steigert Heilungsrate deutlich

Baltimore. Eine noch nicht zugelassene Therapie kann die Heilungsrate bei Hepatitis C (HCV) offenbar deutlich steigern. Die rein orale Behandlung führte in einer US-Studie beim HCV-Genotyp 1, der in Europa und den USA vorherrscht, bei rund 98 Prozent der Patienten zum Erfolg. Damit könne man möglicherweise auf problematische Arzneien wie Ribavirin oder Interferon weitgehend verzichten, schreiben die Mediziner um Mark Sulkowski von der Johns Hopkins University in Baltimore im „New England Journal of Medicine“.

In Deutschland gehen Experten von rund 500.000 Infizierten aus. Hierzulande ist der Erreger, der Leberzirrhose und Leberkrebs verursachen kann, der häufigste Grund für Lebertransplantationen.

Die bisherige Dreifach-Therapie, bei der auch Interferon injiziert wird, heilt etwa 75 Prozent der Patienten mit dem besonders hartnäckigen Genotyp 1. Interferon kann aber Müdigkeit und Depressionen hervorrufen, der Wirkstoff Ribavirin zu Blutarmut führen.

Die US-Forscher testeten an 211 Patienten die orale Therapie mit zwei neuen antiviralen Wirkstoffen: dem gerade in den USA zugelassenen Sofosbuvir und Daclatasvir. 98 Prozent der Teilnehmer mit Genotyp 1 sprachen auf die Therapie an, darunter auch jene, bei denen die konventionelle Dreifach-Therapie vorher versagt hatte. Bei Patienten mit den Genotypen 2 und 3 lag die Heilungsrate bei etwa 91 Prozent.

Finanziert wurde die Studie von den Pharmakonzernen Gilead Sciences und Bristol-Myers Squibb, für die Sulkowski auch als Berater tätig ist.

Eine Resistenz des Erregers sei bei der Kombination beider Mittel sehr ungewöhnlich, betonen die Mediziner. Zu den Nebenwirkungen der Therapie zählten Müdigkeit, die bei jedem dritten Patienten auftrat, sowie Übelkeit und Kopfschmerzen.

„Diese Therapie ist extrem wirksam, bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit”, sagt Thomas von Hahn von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Damit kann man nicht nur auf Interferon verzichten, sondern möglicherweise auch auf Ribavirin.“ Allerdings könne man vorher nie sicher wissen, wie sich ein neues Medikament im klinischen Alltag bewähre. In Europa wird die Zulassung von Sofosbuvir demnächst erwartet, für Daclatasvir hat der Hersteller eine beschleunigte Zulassung beantragt. Somit könnte die Kombinationstherapie bis Ende des Jahres verfügbar sein.