Leiden die Fische? Tierschützer wollen das Angeln verbieten

Hannover. Knapp fünf Millionen Hobbyangler gibt es in Deutschland. Anders als Jäger, die eher zu den Reicheren gehören, kommen Sportfischer laut Umfrageinstitut Allensbach aus der Mitte der Gesellschaft. Dennoch: Tierschützer wollen das Angeln verbieten.

Die Hobbyfischer sorgen jedes Jahr für gut fünf Milliarden Euro Umsatz und 50.000 Jobs. Der Berliner Fischerei-Professor Robert Arlinghaus rechnet vor, dass die Wertschöpfung des Angelns die der Fischerei samt Handel übersteige. Hinzu kämen weiche Faktoren wie die Gewässerpflege, Jugendarbeit, Tourismusentwicklung, Freizeitqualität, Umweltschutz und Naturerlebnisse in Großstadtnähe. Arlinghaus forscht am Berliner Leibniz-Institut und an der Humboldt-Uni zu interdisziplinären Aspekten des Angelns. Der Kern der Kontroverse: Umstritten ist, ob Fische Schmerzen erleiden.

Die Tierschutzorganisation Peta setzt den Fischfang gleich mit häuslicher Gewalt oder Raubüberfällen. Mit Kampagnen wie „Haben Angler kurze Ruten?“ versucht Peta, Druck aufzubauen. Die Organisation propagiert einen veganen Lebensstil. Gerichte haben es dem Verein verboten, mit Holocaust-Vergleichen zu werben.

Das Tierschutzgesetz verbietet, Fische grundlos zu töten und ihnen länger oder öfter „erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zuzufügen. So bekommt das Angeln Rechtfertigungsprobleme. Denn obwohl gefangene Fische laut Gesetz gegessen werden müssten, setzen viele Angler sie zurück ins Wasser.

Dabei ist der wesentliche Punkt wissenschaftlich unklar: Leiden die geangelten Fische? Arlinghaus spricht von einer ideologischen Atmosphäre. Dabei sei die Legitimation vielleicht zu eng: „Angesichts einer steigenden Entfremdung von der Natur ist das Angeln eine der letzten Möglichkeiten für wertvolle, psychologisch reiche Erfahrungen mit Wildtieren.“

( (dpa) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wissen