Wo die Wälder verschwinden

Daten aus Satellitenbildern zeigen weltweite Veränderungen sehr viel genauer als bisher

Washington . Zwischen 2000 und 2012 hat die Welt 2,3 Millionen Quadratkilometer Wald durch Abholzung und durch Naturereignisse wie Brände oder Stürme verloren. Hinzugekommen sind im selben Zeitraum nur 0,8 Millionen Quadratkilometer, berichten US-Forscher nach der Auswertung von Satellitenbildern im Fachjournal „Science“. Mit ihrer Studie werden erstmals die weltweiten Veränderungen der Bewaldung in hoher Auflösung sichtbar. Die Daten stellen eine Grundlage dar, um die Auswirkungen des Waldverlusts auf Umwelt, Wirtschaft oder die Gesellschaft weiter zu untersuchen.

„Verluste oder Zuwächse des Waldbestands beeinflussen viele wichtige Aspekte eines Ökosystems, etwa die Klimaregulation, die Kohlendioxidspeicherung, die Artenvielfalt oder das Wasserangebot“, sagt der Erstautor Matthew Hansen von der Universität Maryland in College Park (US-Staat Maryland) in einer Pressemitteilung der Universität. „Aber bisher gab es keine Möglichkeit, detaillierte, akkurate, Satelliten-basierte Daten zur Veränderung des Waldbestandes von lokaler bis auf globale Ebene zu bekommen.“

Die Forscher um Hansen werteten Aufnahmen des Forschungssatelliten „Landsat 7“ aus einem frei zugänglichen Archiv aus. Dazu kooperierten sie mit der Online-Plattform Google Earth Engine. Rechenprozesse, die einen einzelnen Computer 15 Jahre gekostet hätten, konnten damit innerhalb weniger Tage abgeschlossen werden. Die Auflösung der Satellitenbilder betrug 30 Meter.

Die Tropen sind der Auswertung zufolge die einzige Klimazone, für die ein eindeutiger Trend festzustellen ist: Jahr für Jahr ginge dort mehr Wald verloren, der Verlust steige um etwa 2100 Quadratkilometer pro Jahr, berichten die Forscher. Die höchste Verlustrate hätten die Länder Paraguay, Malaysia und Kambodscha. Die wichtigste Ursache sei Abholzung.

In Brasilien zeigen die Bemühungen zum Schutz der Regenwälder dagegen Wirkung: Schrumpften die Waldflächen dort in den Jahren 2003/2004 noch um 40.000 Quadratkilometer, war es 2010/2011 mit 20.000 Quadratkilometern nur noch halb so viel.

Brasilien habe „Landsat“-Daten genutzt, um die Abholzung seiner Wälder zu dokumentieren, und diese Informationen anschließend genutzt, um Richtlinien zu formulieren und umzusetzen. Das Land habe diese Daten auch zugänglich gemacht, so dass Dritte die Fortschritte verfolgen konnten, sagt Hansen. „Für andere Teile der Welt sind solche Daten bisher nicht vorhanden gewesen. Dank unserer globalen Kartierung hat jede Nation nun diese Art Information, für das eigene Land und für den Rest der Welt.“