Wann Antibiotika bei Kindern überhaupt sinnvoll sind

Ärzte informieren in der Axel-Springer-Passage am 18. November

Hamburg. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, vielleicht auch noch Fieber – wenn Kinder krank werden, sind Eltern besonders bemüht, alles richtig zu machen; der Nachwuchs soll möglichst schnell wieder gesund werden. Antibiotika können in kurzer Zeit heilen; dank dieser Medikamente verloren einst gefürchtete, durch Bakterien verursachte Infektionskrankheiten ihren Schrecken. Nutzlos sind Antibiotika allerdings bei durch Viren bedingten Krankheiten. Werden die Mittel dann trotzdem verschrieben, können sie der Gesundheit sogar schaden.

Wie Eltern gemeinsam mit Ärzten zu einem sinnvollen Umgang mit Antibiotika finden, ist Thema einer Infoveranstaltung am Europäischen Antibiotikatag (18. November in der Axel-Springer-Passage, siehe unten). Veranstalter sind das Bündnis für gezielte Antibiotika-Therapie, die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg sowie neun Hamburger Krankenkassen. „Unser Ziel ist, dass sich sowohl Ärzte als auch Eltern immer wieder fragen, ob eine Behandlung mit Antibiotika wirklich nötig ist“, sagt Dr. Katja Peters, Hausärztin in Hamburg und Initiatorin des Bündnisses für gezielte Antibiotika-Therapie. Peters zufolge gibt es einige Ärzte, die dazu neigen, unkritisch Antibiotika zu verordnen, aber auch Eltern, die Antibiotika zu schnell erwarten – oder die Verschreibung vom Arzt fordern.

Insbesondere zwei Probleme könnten infolge dessen auftreten, erläutert Peters: „Antibiotika wirken nicht nur an Stellen, wo es erwünscht ist, sondern auch dort, wo es nicht erwünscht ist. Sie können zum Beispiel die Darmflora angreifen.“ Zudem erhöht sich der Ärztin zufolge durch Antibiotika das Risiko, dass resistente Keime entstehen – Bakterien also, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Der Grund: „Einige schädliche Keime können die Antibiotika-Behandlung überleben“, erläutert Peters. „Solange der Körper stark ist, schadet ihm das meist nicht. Ist er hingegen geschwächt, etwa durch eine andere Erkrankung, können ihm die resistenten Keime gefährlich werden.“

Dabei muss es so weit gar nicht kommen: „Bis zu 90 Prozent aller Atemwegserkrankungen sind durch Viren bedingt. Da macht eine Behandlung mit Antibiotika keinen Sinn“, sagt Dr. Hans-Ulrich Neumann, Kinder- und Jugendarzt in Hamburg. „Vielmehr lässt sich beispielsweise ein Dreijähriger, der eine durch Viren verursachte Bronchitis hat, beispielsweise mit Brustwickeln behandeln. Auch Husten- und Bronchialtee kann helfen.“

Durch verschiedene Methoden, etwa eine Blutuntersuchung oder einen Rachenabstrich, lasse sich eine virale Infektion relativ sicher von einer bakteriellen unterscheiden, sagt Katja Peters. „In einigen Fällen sind zwar schon die Symptome alleine eindeutig, es kann aber sinnvoll sein, Tests durchzuführen und erst danach über die Verschreibung eines Antibiotikums zu entscheiden. Letzteres setzt allerdings die Geduld und Bereitschaft der Eltern voraus, das Ergebnis abzuwarten.“

„Antibiotika – Wie Sie sich und Ihr Kind schützen“, 18.11., Axel-Springer-Passage, Caffamacherreihe 3. Einlass 18 Uhr; mit Vorträgen von Katja Peters und Hans-Ulrich Neumann, 18.30 bis 19.30 Uhr. Eintritt frei. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, um Anmeldung wird gebeten: Tel. 040-226319480 (Mo-Fr 8-17 Uhr) oder E-Mail: event@abendblatt.de