Bienen scheuen komplizierte Wahl

Die kleinen Versuchstiere sind bei schwierigen Aufgaben weniger entscheidungsfreudig

Sydney. Menschen scheuen schwierige Entscheidungen, wenn es an Informationen für die richtige Wahl mangelt – einige Bienen auch. Das berichten australische Forscher im der US-Fachzeitschrift „PNAS“. Dass auch Tiere sich dem Grad an Unsicherheit ihrer Entscheidung bewusst sein und ihre Strategie daran anpassen können, hatten, so die Forscher, zuvor nur Beobachtungen bei Primaten, Delfinen, Hunden und Ratten gezeigt.

Clint Perry und Andrew Barron von der Macquarie Universität in Sydney hatten die Entscheidungen markierter, frei fliegender Honigbienen (Apis mellifera) in einer Serie unterschiedlich schwerer Tests untersucht. Zunächst wurden die Tiere darauf trainiert, die aus zwei Kammern bestehende Testapparatur anzufliegen.

Für die Versuche wurden in den Kammern Objekte mit einer Belohnungsflüssigkeit oder einer „Strafsubstanz“ angebracht. Wählten die Tiere das richtige Objekt, konnten sie süße Zuckerlösung aufnehmen – bei Fehlern stießen sie dagegen auf die bittere Substanz Chinin. Im Laufe der Versuchsreihe veränderten die Biologen die Form, Position, Größe sowie die Farbe der Objekte – und damit die Schwierigkeit für die Bienen, die süße Belohnung von der bitter schmeckenden „Bestrafung“ zu unterscheiden.

Je unübersichtlicher und schwieriger die Kombination wurde, desto häufiger brachen einzelne Bienen die Aufgabe ab und flogen weg. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bienen ihre Entscheidungen auch von der Schwierigkeit der Tests abhängig machen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass auch Insekten in der Lage sind, komplexe und adaptive Entscheidungen zu treffen“, schreiben die Forscher in ihrem Artikel. Insgesamt hätten allerdings nur wenige Bienen dieses Verhalten gezeigt. Ob es den anderen an den kognitiven Fähigkeiten mangele oder andere Faktoren entscheidend seien, sei unklar.