Meteorologie

CO2-Ausstoß versauert die Meere und vermindert Sonnen-Schutzschild

Das schreiben Hamburger Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Climate Change".

Hamburg. Der vermehrte Ausstoß von Kohlendioxid lässt die Meere nicht nur saurer werden, sondern vermindert auch die Freisetzung von Schwefelverbindungen, die Sonnenlicht reflektieren. Die Versauerung verstärke auf diese Weise den Klimawandel, schreiben Hamburger Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Climate Change". Mit sinkendem pH-Wert werde im Meer immer weniger sogenanntes Dimethylsulfid (DMS) gebildet und in die Atmosphäre getragen. Die Ozeane sind die größte natürliche Quelle des Gases, das zu den wichtigsten Substanzen im globalen Klimahaushalt zählt.

Von Dimethylsulfid abgeleitete Schwefelverbindungen wirken in der Atmosphäre als Kondensationskeime, an denen Wassertröpfchen und schließlich Wolken entstehen. Diese reflektieren das Sonnenlicht zurück ins All und tragen damit zur Kühlung der Erde bei. Produziert wird DMS von Bakterien aus seinem Vorläufermolekül, dem DMSP (Dimethylsulfidpropionat). Dieses wird von vielen Algen freigesetzt.

Die Forscher um Katharina Six vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg nutzten die Daten verschiedener Experimente, die den Zusammenhang zwischen pH-Wert und DMS-Produktion untersuchten. Diese wurden mit Prognosen zur Versauerung der Ozeane in Beziehung gesetzt. Bis 2100 könnten die DMS-Emissionen aus dem Meer demnach um rund 18 Prozent geringer sein als vor Beginn der Industrialisierung. Für die Erderwärmung bedeute das ein zusätzliches Plus von 0,23 bis 0,48 Grad Celsius, schreiben die Wissenschaftler.

Kohlendioxid löst sich leicht in Wasser, dabei wird Kohlensäure gebildet. Mit steigender CO2-Konzentration in der Luft versauern die Meere deshalb stärker. Warum in der Folge weniger Dimethylsulfid entsteht, konnten die Forscher noch nicht genau klären. Die meisten Menschen kennen zwar nicht den Namen, aber den Geruch von DMS: Es ist der typische Meeresgeruch. Einige Seevögel orientieren sich gar bei ihrer Nahrungssuche an DMS.