Ein Klima der Gewalt

Eine neue Studie zeigt, dass steigende Temperaturen das Risiko von Konflikten erhöhen

Princeton. Das Klima beeinflusst das Gewaltverhalten der Menschen. Selbst eine geringe Abweichung von der üblichen Temperatur oder Regenmenge erhöhe das Risiko von Konflikten, berichten US-Forscher im Fachblatt „Science“.

Das Team der Princeton University hatte 60 Studien zum Thema Klima und Gewalt ausgewertet, die in unterschiedlichen Fachgebieten entstanden waren. Sie umfassten alle Regionen der Welt und reichten etwa 10.000 Jahre in die Vergangenheit. Vor allem höhere Temperaturen führten danach zur Zunahme der Gewalt. Bei einer Standardabweichung von der Temperatur – das entspricht zum Beispiel einer Temperaturerhöhung von 0,4 Grad über das ganze Jahr in einem afrikanischen Land – stieg das Risiko persönlicher Konflikte um vier Prozent. Um 14 Prozent stieg das Risiko für Gruppenkonflikte, wie Aufstände oder Bürgerkriege.

So fanden die Forscher einen Anstieg häuslicher Gewalt in Indien und Australien, mehr Körperverletzungen und Morde in den USA und Tansania oder eine Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze in Holland. Über die Gründe können die Forscher nur spekulieren. In Agrarländern beeinflusse das Klima zum Beispiel die wirtschaftliche Situation vieler Menschen. Verschlechtere sich die Wirtschaftslage wegen klimatischer Veränderungen, könne das zur Folge haben, dass Menschen aus Angst um ihre Existenz zu den Waffen griffen.

„Wir sind in etwa in der gleichen Lage wie Mediziner in den 1930er-Jahren: Sie hatten eine deutlichen statistischen Beweis, dass Rauchen eine unmittelbare Ursache von Lungenkrebs ist, aber sie konnten nicht erklären, warum“, erläutert der Erstautor Solomon Hsiang. „Genauso sehen wir, dass Klimaereignisse Konflikte verursachen, aber warum wissen wir nicht genau.“

Andere Experten sind weniger überzeugt von den Schlussfolgerungen der Forscher. Sie bezweifeln, dass die Auswahl der Studien geeignet war. Zudem seien möglicherweise einzelne Extremwetter-Ereignisse mit längerfristigen Klimaveränderungen vermischt worden. Es gebe keine Zweifel, dass es in den vergangenen Jahrzehnten in Sub-Sahara-Afrika einen Klimawandel gegeben habe, die Zahl ziviler Konflikte habe aber abgenommen.