Erstmals Einblick in die Anfänge des Ackerbaus

Es war eine Revolution, als der Mensch vom Jäger und Sammler zum Bauern wurde

Tübingen. Archäologen haben zum ersten Mal die Anfänge der Landwirtschaft relativ lückenlos dokumentiert. Im Iran am Rande des sogenannten Fruchtbaren Halbmonds entdeckten sie Pflanzenüberreste aus einer mindestens 2200 Jahre langen Siedlungsepoche. Die Funde zeigen, wie die Menschen vor gut 11.700 Jahren mit einer rudimentären Landwirtschaft begonnen haben, dann aber im Laufe der Jahrhunderte immer professionellere Anbaumethoden entwickelten und die Pflanzen nach ihren Bedürfnissen züchteten. Ein so langer Zeitraum war bislang noch nie beobachtet worden, berichten die Archäologen um Simone Riehl von der Universität Tübingen im Fachjournal „Science“.

Nach den Ursprüngen der Landwirtschaft im Fruchtbaren Halbmond, der von der Küste Israels bis zum Iran reicht, wird schon lange geforscht. Das Problem der Archäologen: Die Menschen gaben ihre Siedlungen regelmäßig auf und zogen weiter. Dadurch konnte die Entwicklung an einem Ort nie über lange Zeit verfolgt werden.

Das ist nun bei den Grabungen im iranischen Chogha Golan an der irakischen Grenze erstmals gelungen. Die Archäologen fanden Werkzeuge für den Ackerbau aus Knochen und Stein. Noch wichtiger war der Fund von 30.000 verkohlten Pflanzenresten. Sie geben Aufschluss über die frühe Landwirtschaft.

So haben die Menschen, die bis dahin als Jäger und Sammler lebten und jeden Tag aufs Neue Essen auftreiben mussten, zum Ende der letzten Eiszeit vor 11.700 Jahren erste Versuche als Bauern unternommen. Als erstes pflanzten sie wilde Getreidesorten wie Wildgerste an. Im Laufe der Jahrhunderte konnten sie das Getreide durch Züchtungen verbessern. Schließlich kamen neue Sorten wie Weizen hinzu, aber auch Probleme mit Unkraut.

Gut 2000 Jahre nach den ersten Anbau-Versuchen konnten die Menschen mit einem relativ professionellen Anbau von Gerste, Weizen und Linsen genügend Nahrung für die größer werdenden Siedlungen gewinnen. „Das war eine Revolution für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung“, sagt Archäologe Nicholas Conard.

Die Bemühungen der frühen Ackerbauern hätten Auswirkungen bis heute, fügte Riehl hinzu: „Viele der Pflanzen, die im Fruchtbaren Halbmond domestiziert wurden, stellen die ökonomische Basis und Nahrungsgrundlage der heutigen Weltbevölkerung dar.“