Superstürme auf der Venus werden noch heftiger

Paris. Die rasend schnellen Stürme auf dem Planeten Venus nehmen an Geschwindigkeit noch zu. Dieses überraschende Ergebnis hat eine Langzeitbeobachtung mit der europäischen Raumsonde „Venus Express“ erbracht. Im Laufe der vergangenen sechs Jahre stieg die Windgeschwindigkeit in den oberen Atmosphärenschichten unseres Nachbarplaneten demnach stark an – von bereits bemerkenswerten 300 auf 400 Kilometer pro Stunde, wie ein Team um Igor Khatuntsew vom Moskauer Weltraumforschungsinstitut im Fachblatt „Icarus“ berichtet. „So eine große Veränderung ist niemals zuvor auf der Venus beobachtet worden, und wir verstehen noch nicht, wieso dies geschieht“, sagte Khatuntsew. Eine zweite, japanisch geführte Studie im „Journal of Geophysical Research“ kommt zu den gleichen Ergebnissen.

Für die Untersuchung haben die Forscher um Khatuntsew die Bewegungen von fast 400.000 Wolken in der hohen Venusatmosphäre analysiert. Über zehn Venusjahre, das sind sechs Erdenjahre, verfolgten sie die Wolkenbewegung in 70 Kilometer Höhe in den niedrigen und mittleren Breiten der Venusatmosphäre.

Die Venus hüllt sich beständig in dicke Wolken. Venus-Stürme rasen oft in nur vier Tagen um den Planeten. Damit sind sie viel schneller, als die Venus rotiert – ein Venustag ist 243 Erdentage lang. Diese sogenannte Superrotation, bei der sich die Atmosphäre schneller dreht als der Planet, verblüfft Astronomen seit ihrer Entdeckung in den 1960er-Jahren. Diese jüngsten Ergebnisse lassen die Superrotation noch geheimnisvoller erscheinen.