Bisphenol A verändert die Hirnentwicklung

New York. Der umstrittene Plastikgrundstoff Bisphenol A beeinflusst offenbar die Hirnentwicklung im Mutterleib – und zwar schon in geringen Mengen. Darauf deutet eine Studie an Mäusen hin. Demnach macht die Industriechemikalie den weiblichen Nachwuchs unter anderem ängstlicher, männliche Nachkommen werden dagegen forscher. Die Forscher führen dies in der Fachzeitschrift „PNAS“ auf Änderungen in der Genregulation zurück.

Bisphenol A (BPA) steckt in zahllosen Artikeln des täglichen Bedarfs, von Lebensmittelverpackungen über Zahnfüllungen und Kassenbons bis hin zu Autoteilen. Weil BPA ähnlich wirkt wie das weibliche Sexualhormon Östrogen, streiten Forscher seit Jahren über das Gefahrenpotenzial. Psychologen der Columbia Universität in New York gaben nun trächtigen Mäusen BisphenolA in Tagesmengen zwischen zwei und 200 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. In Europa gilt ein Tageswert von 50 Mikrogramm als unbedenklich. Bei den Jungtieren beobachteten die Forscher Verhaltensänderungen – und zwar schon bei vermeintlich unbedenklichen Dosen. Dies erklären die Wissenschaftler zumindest teilweise mit Veränderungen der Östrogenrezeptoren in verschiedenen Hirnarealen – bei den Männchen im Kortex, bei den Weibchen im Hypothalamus. Die Forscher vermuten, dass BPA auf ein Enzym namens DNMT (DNA Methyltransferase) einwirkt, das das Ablesen von Genen reguliert.

„Man staunt über diese Auswirkungen von niedrigen Dosierungen“, sagt Detlef Wölfle vom Bundesinstitut für Risikobewertung. „Inwieweit dies auf den Menschen übertragbar ist, weiß man allerdings nicht.“