Arktis könnte wieder eisfrei werden

Studie zu drei Millionen Jahre alten See-Sedimenten zeigt ausgedehnte Warmzeiten

Amherst. In der Arktis herrschten vor Millionen Jahren warme Temperaturen – und auch künftig könnte die Region wieder eisfrei werden. Das schließen Wissenschaftler aus der Untersuchung eines Bohrkerns vom Grund eines Sees in Sibirien. Wie das Team im Fachjournal „Science“ berichtet, war die Arktis in der Zeit vor 2,2 bis 3,6 Millionen Jahren wohl sehr warm – in einer Epoche, in der die Atmosphäre nicht viel mehr Kohlendioxid (CO2) enthalten haben soll als heute.

„Dies könnte uns Hinweise auf die Entwicklung in der nahen Zukunft geben“, schreibt das internationale Forscherteam unter Leitung von Julie Brigham-Grette von der Universität von Massachusetts (USA) in Amherst. „Mit anderen Worten: Das System Erde reagiert auf geringe Veränderungen des CO2-Gehalts stärker als in früheren Klima-Modellen vorhergesagt.“

Die Studie beruht auf der Analyse eines gut 300 Meter langen Bohrkerns aus dem eisbedeckten Elgygytgyn-See. Dieser liegt 100 Kilometer nördlich des Polarkreises und war durch einen Meteoriteneinschlag vor 3,6 Millionen Jahren entstanden. Die Forscher untersuchten die Sedimente in den Millionen Jahre alten Bodenschichten. Anhand der Pollen, die sich in den jeweiligen Schichten angesammelt haben, konnten sie auf die damals vorhandene Pflanzenwelt und daraus auf die herrschenden Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse schließen.

Demnach gab es früher ausgedehnte Warmzeiten mit viel Regen in der Arktis. Es herrschten Sommertemperaturen von 15 bis 16 Grad Celsius (acht Grad mehr als heute). Die Warmzeiten fielen zeitlich mit einer 1,2 Millionen Jahre währenden Phase zusammen, in der das westantarktische Eisschild nicht existierte. Beide Erdpole könnten somit so etwas wie eine gemeinsame Geschichte haben. Eine erste Studie des Forscherteams, darunter Martin Melles von der Universität Köln, hatte bereits 2012 darauf hingedeutet.