Gipfeltreffen von Venus und Jupiter

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Thomas W. Kraupe

Der Sternenhimmel über Hamburg im Mai

Hamburg. Der Wonnemonat Mai bietet uns zwar nur ein kurzes Zeitfenster zur Sternenbeobachtung, aber wir werden durch besondere Auftritte der Planeten entschädigt. Erst gegen Mitternacht wird es einigermaßen dunkel, um auch die lichtschwächeren Sterne sehen zu können. Im Norden leuchtet bis tief in die Nacht der Dämmerschein. Doch gerade in dieser Dämmerungszeit lohnt es abends zu beobachten, denn es kommt zu einem Stelldichein der drei Planeten Jupiter, Venus und Merkur.

Jupiter kennen wir schon aus den vergangenen Monaten – er ist der hellste Lichtpunkt am Abendhimmel. Aber nun geht es zu Ende mit ihm: Jetzt zeigt er sich noch bis gegen Mitternacht über dem Westhorizont, zum Monatsende geht er in der hellen Abenddämmerung unter und wird unbeobachtbar. Seine Abschiedsvorstellung hat es allerdings in sich, denn die noch hellere Venus erscheint am Abendhimmel und verfolgt den Jupiter. Abends sind damit gleich zwei sehr helle Lichtpunkte in der Dämmerung über dem Nordwesthorizont zu sehen. Der strahlend helle „Abendstern“ Venus steht viel näher am Horizont, rückt aber Abend für Abend näher an Jupiter heran.

Der scheue Merkur bereichert das glanzvolle Duo Venus/Jupiter

Am 12. Mai zieht auch die schmale Sichel des zunehmenden Mondes an Jupiter vorbei. Venus erreicht den Jupiter erst am 28. Mai und steht ein Grad nördlich des Riesenplaneten. Die beiden hellsten Planeten leuchten dann als prächtiges Paar, das allerdings nur in der hellen Abenddämmerung über dem Nordwesthorizont zu sehen ist. Beide Planeten bewegen sich dabei nahe dem nördlichen Gipfelpunkt des Tierkreises, vor dem Sternenhintergrund des Stiers. Doch diese Sterne können sich gegen die helle Dämmerung nicht mehr durchsetzen.

Das Gipfeltreffen Venus-Jupiter wird noch bereichert durch den scheuen Planeten Merkur. Er zieht am 25. Mai an Venus und nur zwei Tage später an Jupiter vorbei. Allerdings ist der sonnennächste Planet deutlich lichtschwächer als das glanzvolle Duo aus Jupiter und Venus. Dennoch ist es sehr reizvoll, Abend für Abend die wechselnde Anordnung dieser drei Welten unseres Sonnensystems zu verfolgen. Dieses kompakte „Dreigestirn“ ist erst wieder im Jahr 2048 zu beobachten.

Sobald es gegen 23 Uhr etwas dunkler geworden ist, werden zumindest die markantesten Sternkonstellationen erkennbar. Rechts über den Planeten funkeln im Nordwesten der Stern Capella im Fuhrmann und weiter links im Westen die beiden Zwillingssterne Kastor und Pollux.

Hoch über unseren Köpfen „fährt“ der Große Wagen mit seinen sieben Sternen bereits zu Beginn der Nacht durch den Zenit. Mit der Verlängerung der Rückwand des Wagens finden wir auf halber Höhe über dem Nordhorizont den Polarstern, den Nordstern. Darunter leuchtet am Nordhorizont die Zickzacklinie des Himmels-Ws. Die Kassiopeia, wie es offiziell heißt, hat ihre tiefste Stellung erreicht.

Folgen wir dem Schwung der Deichselsterne des Großen Wagens, gelangen wir zunächst zum gelb-orangen Stern Arktur (Alpha Bootis), dem hellsten Fixstern am Frühlingshimmel. Ziehen wir den Himmelsbogen von der Deichsel noch etwa ebenso weit über Arktur hinaus, gelangen wir im Süden zum bläulich-weiß funkelnden Hauptstern der Jungfrau, der Spica (Alpha Virginis), was lateinisch so viel wie „Kornähre“ bedeutet und ein Symbol der Erntezeit ist. Die Sonne zog in früheren Jahrtausenden zur Erntezeit vor dieser Sternregion vorbei.

Weniger als eine Handspanne links neben Spica steht abends im Südosten der goldgelb leuchtende Saturn. Er verrät sich durch sein ruhiges Licht als Planet – er funkelt nicht! Saturn stand im April in Opposition zur Sonne und ist auch im Mai als einziger Planet die ganze Nacht am Himmel. Am 14. Mai wechselt er rückläufig vom Sternbild Waage in das Sternbild Jungfrau. Die Ringe des Saturns kann man nur mit einem Fernrohr ab etwa 30-facher Vergrößerung erkennen.

Hoch im Osten zeigen sich schon die Sommersternbilder: Das ausgedehnte Sternbild Herkules folgt dem Bärenhüter, und die nördlichsten Sterne des Sommerdreiecks, die helle Wega in der Leier und Deneb im Schwan, steigen im Nordosten herauf.

Auf der Verbindungslinie von der rötlichen Riesensonne Arktur im Süden hin zur bläulich-weißen Wega am östlichen Himmel stoßen wir auf den halbkreisförmige Sternenbogen der „Nördlichen Krone“ und weiter Richtung Wega auf das trapezförmige Herzstück des Herkules.

Vergeblich halten wir in diesem Monat Ausschau nach dem Planeten Mars. Der Rote Planet stand im vergangenen Monat weit hinter der Sonne in Konjunktion und bleibt weiter dem Nachthimmel fern. Immerhin: Mit dem strahlenden Trio Jupiter-Venus-Merkur am Abend und dem Ringplaneten Saturn bis zum Morgen können wir mit Ausnahme von Mars alle mit bloßem Auge sichtbaren Planeten beobachten – und im Dämmerlicht der Nacht zumindest die hellsten Sterne des Frühsommers.

Diese Monatssternkarte ist auch erhältlich im Planetarium Hamburg oder kann im Internet zusammen mit dem dazugehörenden Sternen-Podcast heruntergeladen werden: www.abendblatt.de/sterne

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