Forscher züchten Nieren im Biotechniklabor

London. In einem Bioreaktor im Versuchslabor haben Wissenschaftler tote Nieren sozusagen zum Leben erweckt: Sie entfernten dazu alle lebenden Zellen des Organs, bis nur noch ein Gerüst übrig blieb. Dieses besiedelten sie dann mit neuen Zellen. Nach einigen Tagen produzierte die Niere Urin – und zwar sowohl im Bioreaktor als auch nach der Transplantation in eine Ratte, wie die Forscher im Fachblatt „Nature Medicine” berichten. Wenn die Methode ausgereift sei und auch beim Menschen funktioniere, könne dies den Mangel an Spenderorganen in Zukunft zumindest mildern, betonen sie.

Das Forscherteam um Harald Ott von der Harvard Medical School durchspülte mit einem herkömmlichen Reinigungsmittel Nieren von Ratten, Schweinen und später auch von verstorbenen Menschen und entfernte dadurch alle Zellen. Übrig blieb danach nur die Architektur des Organs., ein „Schatten des ursprünglichen Gewebes“, wie Ott sagt. Dann saugten sie frische Zellen in das Nierengerüst hinein.

Nach mehreren Tagen wurde das Gewebe funktionstüchtig, die Nieren bildeten Urin. Danach implantierten die Forscher die Organe in Ratten, denen zuvor eine Niere entfernt worden war. Tatsächlich begann das neue Organ das Blut zu filtern und Urin zu produzieren, wenn auch mit – im Vergleich zu einer gesunden Niere – stark eingeschränkter Leistung.

Der Vorteil biotechnologisch hergestellter Nieren liege darin, dass auch solche Organe als Gerüst eingesetzt werden können, die als Spenderorgane nicht mehr infrage kämen, schreiben die Forscher.