Umweltzerstörung gefährdet Arten Jahrzehnte später

Wien Umweltzerstörung bedroht viele Tier- und Pflanzengruppen erst nach etlichen Jahrzehnten. Das berichtet ein internationales Forscherteam für Europa im Fachjournal „PNAS“. Demnach wären perspektivisch viel mehr Arten gefährdet als bislang angenommen, mahnen die Biologen.

In der Erdgeschichte gab es mehrere große Artensterben – ausgelöst etwa durch Meteoriten. Angesichts des derzeitigen Artenschwunds sprechen viele Experten vom sechsten Massensterben. Ursache ist vor allem die Zerstörung und Verschmutzung von Lebensräumen durch den Menschen. Unklar ist, wie schnell verschiedene Lebewesen auf Umweltveränderungen reagieren.

Um dies zu klären, untersuchten die Forscher um Stefan Dullinger von der Universität Wien die Situation in 22 europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Für jedes Land verglichen sie die aktuellen nationalen Roten Listen der gefährdeten Arten mit der wirtschaftlichen Entwicklung am Anfang, in der Mitte und gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Als Hinweise auf die Belastung natürlicher Lebensräume werteten sie drei Faktoren: Bevölkerungsdichte, Intensität der Landnutzung und Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Als Beispiel für einen verzögerten Populationsrückgang nennt Dullinger Wiesenpflanzen wie die Kuckucks-Lichtnelke. „Die früher sehr verbreiteten Arten gehen heute stark zurück, obwohl die dafür verantwortlichen Veränderungen wie starker Düngereinsatz oder Drainage schon vor Jahrzehnten einsetzten“, sagt der Forscher. „Die jetzigen, stärkeren Eingriffe in die Natur werden sich erst in einigen Jahrzehnten auswirken.“ Insofern werde die Zahl der gefährdeten Arten wohl deutlich unterschätzt.“