Jagd auf Affen bedroht Regenwälder

Primaten beeinflussen die Pflanzenvielfalt durch Samenverbreitung

Lund. Die Jagd auf Gorillas, Schimpansen und andere Affen gefährdet die Baumvielfalt in den tropischen Regenwäldern Afrikas. Würden die Tiere zu stark dezimiert, könnten sich bestimmte Bäume nicht mehr vermehren, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Proceedings B". Der Grund: Die Affen fressen die Früchte vieler Bäume und verteilen deren Samen, etwa mit dem Kot. Ohne Affen würden sich die Regenwälder in Zukunft erheblich verändern - selbst wenn dort keine Abholzung stattfände, fürchten die Forscher.

Die Affen tragen in den Wäldern zu einem intakten Ökosystem bei

Edu Effiom von der schwedischen Lund University und ihre Mitarbeiter hatten in drei Regionen Nigerias je zwei Regenwaldgebiete miteinander verglichen: In jeweils einem davon standen die dort lebenden Primaten unter Schutz, in dem anderen wurde auf sie Jagd gemacht. Sowohl in den geschützten Gebieten als auch in den Arealen mit erlaubter Jagd standen die gleichen ausgewachsenen Bäume. Besonders häufig waren dort solche Bäume, deren Samen durch Gorillas, Schimpansen oder Drills verteilt werden. Große Unterschiede gab es jedoch bei den Setzlingen: Bei ihnen fanden die Forscher eine ähnliche Artenzusammensetzung nur in den geschützten Gebieten. Wo die großen Primaten fehlten, entdeckten sie dagegen vor allem Setzlinge von Bäumen, deren Samen anders verteilt werden, etwa durch den Wind.

Die Biologen folgern daraus, dass die Affen in einem intakten Ökosystem für die Verteilung der Samen vieler Bäume sorgen. Damit bestimmten sie im Regenwald maßgeblich Zusammensetzung und Vielfalt der Arten. In einem Wald ohne Primaten würden diese Arten dann selten werden oder fehlen. Damit würden die Wälder als Lebensraum schließlich für die Primaten selbst ungeeignet und für andere Spezies, denen eine wichtige Nahrungsgrundlage fehle. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Rückgang großer Primaten eine Hauptgefahr für die Artenvielfalt in den Tropen ist", mahnen die Forscher.