Grönlands Gletscher düngen Meer

300.000 Tonnen Eisen im Jahr werden vom Schmelzwasser in den Atlantik eingebracht

London. Das Schmelzwasser grönländischer Gletscher versorgt den Atlantik wesentlich stärker mit dem Nährstoff Eisen als bisher bekannt. Demnach spielt die Eisschmelze im Sommer eine wichtige und wohl noch wachsende Rolle bei der Versorgung von Kleinstlebewesen wie etwa Phytoplankton. Das berichten US-Geologen der Woods Hole Oceanographic Institution (US-Bundesstaat Massachusetts) in der Zeitschrift "Nature Geoscience".

Die Menge an gelöstem Eisen gilt als einer der begrenzenden Faktoren für das Wachstum von Kleinlebewesen im Meer. Bisher nahmen Forscher an, Eisen erreiche das Meer vor allem über den Eintrag aus der Luft und über Flüsse. Maya Bhatia und ihre Mitarbeiter zeigten nun, dass Schmelzwasser in Grönland weit mehr Eisen ins Meer trägt als bisher vermutet.

Ihre Messungen während der Sommersaison 2008 an einem Gletscherabfluss im Südwesten der Insel zeigten Werte von fünf bis zehn Mikromolar biologisch verwertbaren Eisens. Der obere Wert liegt etwa um das Tausendfache über bisherigen Schätzungen. Die Studie könnte erklären, warum die Eisschmelze und die starke Phytoplanktonblüte vor Grönland zeitlich beieinanderliegen.

Beim Lösen des Elements aus dem Gestein spielen vermutlich Verwitterungsprozesse und der Abbau von Eisenverbindungen durch Mikroorganismen eine Rolle. Hochgerechnet auf den gesamten Grönländischen Eisschild könnte das Schmelzwasser jedes Jahr 300.000 Tonnen verwertbares Eisen in den Nordatlantik spülen, schreiben die Forscher. Das ist ähnlich viel, wie dort aus der Luft abgelagert wird.

Damit sind die Gletscher ein wichtiger und angesichts der globalen Erwärmung zunehmender Faktor für die Zulieferung des Mangelstoffs Eisen in das ozeanische Ökosystem, glauben die Wissenschaftler. In einem Kommentar schreibt Rob Raiswell von der englischen Universität Leeds, möglicherweise könnten die Gletscher der Antarktis Eisen noch effizienter zum Meer transportieren. Was das für die Meeresorganismen bedeute, müsse noch geklärt werden.