Neues Coronavirus trickst Immunsystem leicht aus

St. Gallen. Das neue gefährliche Coronavirus kann die Immunabwehr in den Atemwegen des Menschen ähnlich leicht umgehen wie bestimmte Erkältungs- oder SARS-Viren. Zu diesem Schluss kommen internationale Forscher um ein Team vom Kantonspital in St. Gallen (Schweiz) nach Laborversuchen. Die Experten berichten im Online-Journal "mBio" der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie (AMS) auch, dass Patienten womöglich mit einer Immuntherapie behandelt werden könnten.

Das Virus war erstmals im vergangenen Juni bei einem Mann aus Saudi-Arabien aufgefallen, der an einer schweren Atemwegsinfektion und Nierenversagen starb. Bislang sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt zwölf Krankheitsfälle bekannt geworden, sechs Menschen starben an der Infektion mit dem Coronavirus. Fast alle Patienten waren in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens gewesen. Die einzige Ausnahme macht das letzte Todesopfer: Der Mann, der am Sonntag in Birmingham gestorben war, hatte England selbst nicht verlassen. Zwei seiner Familienmitglieder hatten sich jedoch in Pakistan infiziert.

Der Erreger gehört zur selben Gruppe wie das Sarsvirus. Die Ausbreitung der schweren Lungenkrankheit hatte vor zehn Jahren weltweit für Schrecken gesorgt. Damals waren etwa 800 Menschen gestorben. Beide Coronaviren sind nach Angaben der Studienautoren eng mit Fledermausviren verwandt. Das lege nahe, dass die Erreger von Tieren auf den Menschen übergegangen sein müssen.

Erst kürzlich hatte die WHO nach einem neuen Erkrankungsfall zu Wachsamkeit aufgerufen. Der aktuelle Fall sei ein weiteres Indiz, dass eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch möglich sein könnte, erklärte die WHO in Genf. Gesundheitseinrichtungen sollten Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen auf das neue Coronavirus testen.