Veränderung? Nicht mehr nötig

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Viele Menschen unterschätzen ihre zukünftige Entwicklung, zeigen mehrere Studien

Cambridge . Ob jung oder alt - viele Menschen halten sich für weitestgehend ausgereift. Das kann dazu führen, dass sie ihre Zukunft falsch einschätzen. Zu diesen Ergebnissen kommen US-Forscher in mehreren Studien, für die sie 19.000 Menschen befragt hatten. Im Durchschnitt erwarteten die Teilnehmer für die kommenden zehn Jahre deutlich weniger Veränderungen, als sie in den vergangenen zehn Jahren durchmachten. Die Forscher um Jordi Quoidbach von der Universität Harvard nennen dieses Phänomen die Illusion vom Ende der Geschichte.

Das Ergebnis treffe auf alle Altersgruppen von 18 bis 68 Jahren zu, berichten die Forscher im Journal "Science". Allerdings nähmen mit zunehmendem Alter sowohl die angegebenen als auch die vorhergesagten Veränderungen ab, insbesondere bei den Vorlieben und den Werten. Die Forscher erklären die Ende-der-Geschichte-Illusion zum einen damit, dass die meisten Menschen glaubten, ihre aktuelle Persönlichkeit sei attraktiv, ihre Werte seien bewundernswert und ihre Vorlieben klug. Zum anderen sei eine Voraussage etwas anderes als ein relativ einfacher Bericht über Vergangenes. "Die Menschen denken gut über sich selbst und fühlen sich sicher in ihrer Einschätzung", schreiben Quoidbach und seine Kollegen.

Das Forscherteam hatte unter anderem auf der Internetseite einer populären Fernsehshow die Teilnehmer zur Online-Befragung eingeladen. Mit psychologischen Methoden wurden Persönlichkeitsmerkmale, Werte und Vorlieben erfasst. Zudem werteten die Forscher Daten von 3808 Menschen aus, die 1995 bis 1996 und erneut 2004 bis 2006 über ihr vergangenes Leben und ihre Zukunft befragt wurden.

In einer weiteren Studie zeigten die Forscher, dass die Ende-der-Geschichte-Illusion zu einseitigen Entscheidungen führen kann: Während einige der Befragten für ein Konzert ihrer vor zehn Jahren favorisierten Band heute 80 Dollar (60 Euro) bezahlen würden, gaben andere an, für ein Konzert ihrer derzeitigen Lieblingsband in zehn Jahren 129 Dollar ausgeben zu wollen. Das sind 61 Prozent mehr. Dies zeige, dass die meisten Menschen ihren derzeitigen Geschmack für nicht oder kaum veränderlich halten, schreiben die Forscher.

( (dpa) )

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