Das Fliegen stärkte das Immunsystem der Fledermäuse

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Der höhere Sauerstoffbedarf verursachte schädliche Teilchen, die bekämpft werden mussten

Peking. Das Superimmunsystem von Fledermäusen entstand möglicherweise als eine Art Nebenwirkung des Fliegens. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Analyse des Erbguts von zwei Fledermausarten. Demnach kam es beim gemeinsamen Vorfahren aller Fledermäuse vor etwa 88 Millionen Jahren zu diversen körperlichen Veränderungen, zu denen auch ein höherer Sauerstoffumsatz gehörte. Da dieser wiederum mit einer verstärkten Produktion aggressiver Teilchen - sogenannter freier Radikale - einherging, mussten auch die Schutzvorrichtungen für das Erbgut und andere Zellbestandteile verbessert werden. Davon scheint schließlich die Körperabwehr stark profitiert zu haben: Heute könnten Fledermäuse eine ganze Reihe von gefährlichen Viren wie SARS und Ebola in ihrem Körper beherbergen, ohne selbst krank zu werden, schreiben die Forscher vom Beijing Genomic Institute im Fachjournal "Science".

Fliegen ist eine energieaufwendige Sache: Eine Fledermaus verbraucht täglich etwa 20-mal mehr Energie als ein Säugetier vergleichbarer Größe, das auf dem Boden bleibt. Um fliegen zu können, mussten die frühen Fledermäuse ihren Stoffwechsel komplett umstellen - so, dass er sehr viel schneller ablief. Damit stieg auch ihr Sauerstoffumsatz und damit die Anzahl an freien Radikalen sprunghaft an. Offenbar gelang es den Vorfahren der modernen Fledermäuse, dafür eine gute Strategie zu entwickeln: Sie fuhren ihre Systeme für das Erkennen und Reparieren von DNA-Schäden deutlich hoch.

Vermutlich kamen die Veränderungen des Stoffwechsels auch dem Immunsystem zugute, schlussfolgern die Forscher. Einige der Anpassungen betreffen nämlich Gene, die sowohl für die DNA-Reparatur als auch für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind. Das könnte mit dafür verantwortlich sein, warum Fledermäuse als besonders widerstandsfähg gegen vielerlei Viren gelten. Sogar dem Tollwut-Erreger können sie länger standhalten als die meisten anderen Säugetiere. Zudem altern Fledermäuse vergleichsweise langsam, was ebenfalls an der verbesserten DNA-Reparatur liegen könnte, so die Vermutung der Forscher.

( (dapd) )