Kinder- und Jugendmedizin

Psychische Auffälligkeiten bei Kindern nehmen zu

Konzentrationsstörungen, Ängste, Depressionen und Bauchweh – Kinderärzte registrieren mehr seelische Beschwerden. Großer Kongress in Hamburg.

Hamburg. Konzentrationsstörungen, Ängste, Depressionen und Bauchweh aus seelischen Gründen: "Wir Kinder- und Jugendärzte nehmen Beschwerden in den Praxen und Kliniken wahr, die früher nicht so häufig bei den kleinen Patienten waren", sagte Prof. Kurt Ullrich, Präsident der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und UKE-Arzt, zum Kongressbeginn gestern in Hamburg. Bis Sonntag treffen sich mehr als 3000 Experten in der Hansestadt.

Eine Zahlengrundlage zur Häufigkeit psychischer Auffälligkeiten bietet die sogenannte BELLA-Studie, bei der Forscher vom UKE mit dem Berliner Robert-Koch-Institut zusammenarbeiten. "Die Studie zeigt, dass sich bei etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen zumindest Hinweise auf psychische Auffälligkeiten finden lassen", sagte Prof. Ulrike Ravens-Sieberer vom UKE. So litten mehr als fünf Prozent der Jungen und Mädchen an Depressionen, mehr als zehn Prozent unter Ängsten und mehr als sieben Prozent zeigten ein auffälliges Sozialverhalten. Laut den Daten bleibt etwa die Hälfte der Betroffenen über die Zeit psychisch auffällig.

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Ein niedriger sozialer Status und Migrationshintergrund gelten demnach als Risikofaktoren. Laut Ravens-Sieberer sollte man aber nicht immer nur in den gesellschaftlichen Umständen allein die Ursache suchen. Einen wichtigen Faktor sieht die Wissenschaftlerin im Klima, das in der Familie herrscht: "Wir müssen viel mehr bei den Familien ansetzen und diese befähigen, ihre Kinder durch schwierige Situationen zu begleiten."

Das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (auch Zappelphilipp-Syndrom, kurz ADHS) ist laut der BELLA-Studie bei Jungen mit 2,9 Prozent etwas ausgeprägter als bei Mädchen mit 1,4 Prozent. Diskutiert wird, ob exzessives Spielen an Computern oder Konsolen ein Auslöser sein könnte, wenn die Kinder sich nicht mehr konzentrieren oder nicht still sitzen können. Andererseits gelten diese Kinder als anfälliger für eine Mediensucht. "Es gibt bislang keinen direkten Beweis, dass exzessive Tätigkeit vor dem Bildschirm zu ADHS führt, wohl aber ist ein Zusammenhang zu beobachten", sagte Christian Fricke, Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin.