Verschmelzung von Atomkernen

Ministerium beauftragt Gutachten zu Kernfusionsexperiment

Untersuchung soll klären, ob Hallenbeton des Kernfusionsexperiments „Wendelstein 7-X" sicher ist. Institut sieht Zeitplan nicht gefährdet.

Schwerin/Greifswald. Ein vom Sozialministerium beauftragter Gutachter soll klären, ob die Sicherheitsbedenken am Hallenbeton des Kernfusionsexperimentes „Wendelstein 7-X“ gerechtfertigt sind. Das sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald, Thomas Klinger, am Mittwoch nach Gesprächen mit dem Ministerium und dem für Strahlenschutz zuständigen Landesamt in Rostock. Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) und der Direktor des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Heiko Will, kündigten an, das unabhängige Gutachten in der kommenden Woche in Auftrag zu geben. Es werde alle sicherheitsrelevanten Aspekte umfassen, insbesondere die Betonqualität des Schutzmantels sowie der Tore. Das Landesamt werde bei der Auswahl des Sachverständigenteams den fachlichen Rat von Bundesinstitutionen einbeziehen. Die Kosten werde das Institut für Plasmaphysik (IPP) tragen, welches das Verfahren akzeptiert habe.

In dem Gespräch wurde Will zufolge klargestellt, dass die Genehmigungsbehörde das IPP bereits seit Mai 2000 mehrfach darauf aufmerksam machte, dass die Erfüllung der Auflagen bei der Errichtungsgenehmigung nicht vollständig nachgewiesen wurde. Dies habe das IPP zugegeben. Eine Bestätigung des Sozialministeriums vom November 1998, dass die Vorgaben der Errichtungsgenehmigung eingehalten wurden, habe sich lediglich auf die Deckenqualität bezogen. Klinger betonte, dass das IPP keine Sicherheitsmängel am Beton der Halle und der Hallentore sehe. An der Position des IPP habe sich auch nach den Gesprächen mit den Fachbehörden nichts geändert. Die Gespräche am Mittwoch in Rostock bezeichnete Klinger als „sachlich und konstruktiv“.

+++ Die Fusionsforschung in Deutschland +++

Der Umweltverband BUND hatte in der vergangenen Woche mit Hinweis auf ältere Gutachten die Qualität des Betons der Halle und der Hallentore hinsichtlich des erforderlichen Strahlenschutzes angezweifelt. Wegen der angeblichen Sicherheitsmängel und Gesundheitsrisiken für Mitarbeiter und Bevölkerung forderte der Verband einen Baustopp der Anlage, in der künftig Prozesse der Energieerzeugung durch die Verschmelzung von Atomkernen erforscht werden sollen. In der Kritik stehen Wassergehalt und die gemessene Bordichte im Beton.

Nach früheren Angaben des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales fehlt die Bestätigung, dass der Beton des Abschirmmantels die richtige Zusammensetzung hat, um den Auflagen zum Strahlenschutz zu genügen. Das neue Gutachten wird nach Einschätzung des Institut für Plasmaphysiks den Zeitplan nicht gefährden. Der Aufbau der Anlage soll 2014 abgeschlossen sein, wie Klinger sagte. Der Forschungsbetrieb mit Wasserstoffplasma, das keine Neutronenstrahlung abgeben soll, sei frühestens ab Mitte 2015 geplant. Im Sommer 2013 will das IPP eigenen Angaben zufolge den Antrag auf Betriebsgenehmigung stellen.

+++ Hier wird die Zukunft gebaut +++

Ob es einen Probebetrieb geben wird, über den die Strahlenbelastung ermittelt werden solle, ließ das IPP offen. „Das weitere Vorgehen für den Betrieb wird nach Vorliegen des Gutachtens vom Sozialministerium festgelegt“, sagte Klinger. Fest steht, dass durch das Gutachten Zusatzkosten entstehen werden. Diese werden sich „im üblichen Rahmen der Kosten für die Erstellung eines Fachgutachtens“ bewegen, wie Klinger sagte.

Insgesamt fließen nach IPP-Angaben zwischen 1997 und 2014 rund eine Milliarde Euro öffentliche Gelder in das Forschungsprojekt. Zu den bekannten Investitionskosten von 370 Millionen Euro für die Anlage kommen für den Zeitraum von 17 Jahren Personalkosten in Höhe von rund 310 Millionen und Betriebskosten von rund 280 Millionen Euro. Das Gebäude kostete laut IPP 100 Millionen Euro.